Können Sie mal eben…

Können Sie mal eben…

Ja, aber ich will nicht.
Jeden Tag werde ich mehrere Male an der Glastür zum Lehrerzimmertrakt von Schüler/innen gefragt: „Können Sie mal eben gucken, ob Herr/Frau XY da ist?“
Ganz ehrlich, ich ärgere mich darüber.

Wenn jemand mich um etwas bittet, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ich versuche zu helfen. Ich glaube, das kann ich so sagen.
Die meisten aber jener jungen Menschen, die da immer wieder sagen: „Können Sie mal eben…“, die bitten nicht. Überhaupt nicht. Sie fragen mich nur, ob ich kann. Und dann auch noch „mal eben“.
Das heißt, sie wollen wohl von mir, dass ich einen Teil meiner Pause damit zubringe, Botengänge für sie zu erledigen, ohne dass sie auch nur „bitte“ sagen.
Kann ich das? Ja. ich könnte.
Will ich das? Nö.

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Was kann ich tun?
Nein sagen, mich wegdrehen und zu meinem Apfel zurückgehen. Einfach Pause machen. Das nachgemurmelte „Blöde Kuh“ oder „Au Mann“ wäre mir sicher, oder?
So tun, als hätte ich die Frage nicht gehört und mich erhobenen Hauptes durch den Stau schieben. Auch dann wird man mich unhöflich und stur finden. Ist das egal? Hm.
Der Anfrage entsprechen? Ohne Bitte und Danke? Nein. Nennen Sie mich altmodisch und bockig, aber das kommt für mich nicht infrage.
Jedem einzelnen Fragenden die Sache mit dem „Bitte“ und der Höflichkeit kurz erklären? So habe ich es jetzt ein paar Jahre lange gemacht. Es geht mir selbst auf die Nerven. Mich ermüde meine eiegnen Sätze. Und das Bitte wird immer seltener.
Beantwortete ich die zumeist gestellte Frage „Können Sie mal eben…“ ganz korrekt und präzise, müsste ich wohl sagen „Ja, ich könnte, aber nein, ich möchte nicht. Nicht auf diese Art.“
Und schon gar nicht mal eben.
Ich arbeite dran.

Christine Korte