Ehemalige Ulricianer: Was macht Ingo in Saudi Arabien und Dubai?

Ehemalige Ulricianer: Was macht Ingo in Saudi Arabien und Dubai?

In lockerer Folge fragen wir nun immer mal wieder ehemalige Schülerinnen und Schüler, was sie eigentlich so machen: Los geht’s mit Ingo, der Emder Schiffsspedition, Antwerpen, Dubai und Saudi Arabien, der australischen Musik(erin), den Katzen und mehr:

Gerade in Zeiten, in denen selbst die verblassendsten Stars, Sternchen und schwach glimmenden Glühbirnchen ihre Memoiren veröffentlichen, habe ich mir geschworen, niemals meine Memoiren zu verfassen – schon gar nicht mit 38. Bis mich Herr Donath vor einigen Abenden über Facebook ausgerechnet darum gebeten hat.

Was ihn dazu bewogen hat, ist mir bis dato nicht ganz klar. Es mag daran gelegen haben, dass ich ihm erzählte, dass ich mit einer Australierin verheiratet bin, eine in Antwerpen geborene und eine in Dubai geborene Tochter habe, in Dubai wohne und in Saudi Arabien arbeite, kurzum irgendwie Multikulti und Globalisierung verkörpere. Vielleicht ist auch ausschlaggebend gewesen, dass ich ein gutes Beispiel dafür bin, dass man trotz miserablem Abitur und ohne Studium eine steile Karriere machen kann.

Wie ist es zu diesem kunterbunten Lebenslauf gekommen? Um ehrlich zu sein, bis ins Detail war das anfangs nicht geplant.

Schulerfahrungen

Ingo während der Erstellung der THE ULRICIANUM TIMES no. 2 am 26. September 1989

Im Wesentlichen fing alles damit an, dass ich auch einmal – genau wie ihr – Schüler am Ulricianum war. Ich würde mich nicht als Musterschüler bezeichnen, sondern eher als das genaue Gegenteil. Ich fand die Schule, mit Ausnahme der Mensa, niemals sexy und auch den Unterricht nicht wirklich (Herr Donath wird dies als mein ehemaliger Tutor bestätigen können.) Auch der Ansporn meiner Eltern, mir bei einem Abischnitt von 3.0 ein Auto zu kaufen, konnte mich nicht ausreichend von der Institution Schule überzeugen, so dass ich mir das erste Auto selber kaufen musste. 700 DM später war für mich kristallklar, dass ich die folgenden Jahre nicht eine viel zu schulähnliche Universität besuchen wollte. Welchen Beruf ich ausüben wollte, wusste ich jedoch nicht. In einem Anflug geistiger Umnachtung hatte ich mich sogar um eine Ausbildung zum Kriminalkommissar beim Bundeskriminalamt beworben, was mir nichts anderes einbrachte, als verspätet zum Wehrdienst eingezogen worden zu sein und ich folglich als einziger Abiturient der Kompanie diverse Sonderaufgaben wahrnehmen musste, wie beispielsweise die ebenso spannende wie anspruchsvolle Aufgabe des Führens des Kompanie-Schiessbuches.

Lkws, Spedition und Schiffe

Eines Abends sah ich dann eine TV-Reportage über einen gestressten, kettenrauchenden und 2 Telefone gleichzeitig am Ohr haltenden LKW-Disponenten in einer Spedition und an dem Abend war klar, ich wollte LKW-Disponent werden.

Kurz darauf habe ich mich auf eine gemeinsame Anzeige einer Spedition in Leer und einer Spedition in Emden beworben und bin zu einem Bewerbungsgespräch nach Emden geladen worden. Den ursprünglich kategorisch abgelehnten Ratschlag meiner Mutter, mir für das Bewerbungsgespräch sämtliche Ohrringe zu entfernen und eine Anzughose zu tragen, habe ich in letzter Minute doch beherzigt. Dies mag dazu beigetragen haben, dass man mich dort angenommen hat. Vielleicht war es aber auch die Tatsache, dass ich während des Vorstellungsgespräches meine Irritation über die Aussage des damaligen Personalverantwortlichen – das Unternehmen verfüge nicht über eine LKW-Flotte, sondern sei ein Seehafendienstleiter – erstaunlich gut verbergen konnte.

Wie dem auch sei, dies war der Anfang meiner Karriere in der Speditionsbranche, die mir nicht nur ermöglicht hat, in diversen Ländern in unterschiedlichsten Funktionen tätig zu sein, sondern über die ich auch mehr oder weniger meine Frau in der Pianobar des Atlantic-Hotels in Hamburg kennengelernt habe – aber dazu später.

Speditionskaufmann, Fachrichtung Seeschifffahrt

Nach Absolvierung meiner Ausbildung zum Speditionskaufmann, Fachrichtung Seeschifffahrt, war ich zunächst als Schiffmakler bei meinem Ausbildungsunternehmen tätig und habe dort recht schnell die stellvertretende Abteilungsleitung der Maklerei übernommen. Beruflich erklärtes Ziel war dann, Abteilungsleiter zu werden, bevor ich 30 Jahre alt bin. Mit 25 Jahren habe ich ein eineinhalbjähriges Nachwuchsförderprogramm des damaligen Mutterkonzerns für High Potentials absolviert und wurde mit 27 Jahren Abteilungsleiter. Mein ursprüngliches berufliches Ziel hatte ich erreicht und ein weiterer Karrieresprung wäre in diesem Unternehmen strukturbedingt nicht zügig möglich gewesen. Außerdem wollte ich strategischer arbeiten und bin dann nach sieben Jahren Tätigkeit in Emden ins wunderschöne, aber viel zu nasskalte Hamburg gezogen.

Dort habe ich dann nicht nur für das Headoffice des Mutterkonzerns in einer regionalen Funktion globale und regionale Ausschreibungen von Multinationals bearbeitet, sondern auch mehr oder weniger berufsbedingt (die Einzelheiten werden hier nicht verraten) meine Frau kennengelernt.

Hamburg & Antwerpen

Nach fantastischen fünf Jahren in Hamburg ging es dann mit Frau und Kegel, aber noch ohne Kinder, weiter nach Antwerpen, wo nicht nur meine erste Tochter Emma geboren wurde, sondern wir auch in einem Tierheim nach einem Hund geschaut haben, und stattdessen mit einer ursprünglich hautproblembehafteten Katze nach Hause gekommen sind – bemerkenswerterweise von mir, bis dahin alles andere als ein Katzenfreund, ausgewählt.

Beruflich war ich in Antwerpen zunächst verantwortlich für das internationale Seefrachtgeschäft in Belgien und habe kurze Zeit später zusätzlich die Verantwortung für das internationale Luftfrachtgeschäft als COO Air- and Seafreight übernommen.

Antwerpen war für uns in vielen Bereichen eine klasse Erfahrung. Wir haben tolle Freundschaften geknüpft, die bis heute Bestand haben; wir haben die erstklassige belgische Küche genossen, die im übrigen besser als French Cuisine ist; und wir haben dort unser erstes Haus besessen und leider auch den ersten und hoffentlich letzten Einbruch erleben dürfen. Aufgrund der belgischen Küche und des allzu kalorienreichen belgischen Bieres wurde ich jedoch zu dick und wir sind dann drei Jahre später mit mittlerweile Frau, Kind, Katze und Kegel ins sagenumwobene Dubai umgezogen.

Dubai, Saudi Arabien und die Katzen

Beruflich habe ich in Dubai erneut eine regionale Aufgabe wahrgenommen und war für das Seefrachtgeschäft in 25 Ländern der Region Naher/Mittlerer Osten und Ostafrika verantwortlich.

In Dubai wurde nicht nur meine zweite Tochter Jo geboren, sondern Emma bestand auch darauf, dass die belgische, mittlerweile hautproblemgeheilte Katze, eine Spielgefährtin bekommen sollte. Dieser Wunsch wurde ihr natürlich prompt erfüllt und ich kann mir bis heute nicht verzeihen, dass wir uns auf die Aussage des Tierarztes verlassen haben, man müsse Katzen erst mit sechs Monaten sterilisieren lassen. Goody, ganz offensichtlich ein Katzenluder, wurde mit viereinhalb Monaten trächtig und gebar kurz darauf  vier Katzenbabies, von denen wir eines – selbstverständlich nicht den Kater – behielten und die restlichen drei an Emmas Schulfreunde verteilt haben.

Inklusive Maid war ich nun also von sieben Mädels umgeben und da verwundert es wahrscheinlich nicht, dass ich mich um die Position des CEOs/Managing Directors in Saudi Arabien – übrigens Poststempel ‚Kingdom of Humanity‘ – förmlich gerissen habe.

Nach zweieinhalbjähriger Tätigkeit in Dubai bin ich nunmehr also seit fast einem Jahr verantwortlich für unsere Landesorganisation in Saudi Arabien und verbringe die Arbeitswoche entweder in Riyadh, Jeddah, Dammam oder irgendwo anders auf der Welt und die Wochenenden in Dubai bei meinen sieben Mädels.

Dubai, nicht nur Stadt der Superlativen

Dubai ist übrigens nicht nur eine Stadt der Superlativen (das höchste Gebäude der Welt, der größte künstliche Hafen der Welt, der größte Flughafen der Welt – wenn auch noch nicht fertig, die größte Shoppingmall der Welt, die größte Indoor-Skipiste der Welt, das am höchsten dotierte Pferderennen der Welt, das einzige 7-Sterne-Hotel der Welt, etc.), sondern auch die Stadt, in der wir uns nach wie vor am wohlsten fühlen. Und wenn man einmal 14-spurige (7 pro Richtung) Autobahnen gewöhnt ist, dann kommt einem jede andere Stadt erschreckend klaustrophobisch vor.

Lieben Gruss aus der Wüste

Poppiger Jazz oder jazziger Pop: Lisa, Australien – Hamburg – Dubai

PS: Ach ja, die Schleichwerbung hätte ich jetzt fast vergessen. Meine Frau erwähnte ich ja schon kurz. Lisa ist nicht nur erstklassige Sängerin und Pianistin, sondern hat auch das ein oder andere fantastische Album veröffentlicht.

Für die Musikinteressierten unter Euch, die poppigen Jazz oder jazzigen Pop im Stil von Norah Jones und Diana Krall mögen, kann ich nur empfehlen, die unten angeführten Links zu klicken und schnellstmöglich Ihr neuestes Album ‚It’s Time‘ auf i-Tunes, Amazon oder ihrer Website zu kaufen. Das Ganze ist für einen guten Zweck, da das Geld nicht nur in ein neues Album investiert wird, sondern uns auch ermöglicht, die ganzen Katzen durchzufüttern! :)

In diesem karitativen Sinne, frohes Reinhören!

Ingo Klöpper

Fragen oder weitere Infos gewünscht?

Für Fragen bzgl. Spedition, Dubai, Saudi Arabien, Naher und Mittlerer Osten und für Karriere- und berufliche Verhaltenstipps stehe ich Euch gerne unter ingo.kloepper@gmail.com zur Verfügung.

Links:

www.deliveringsolutions.dbschenker.com

http://www.lisa-hugo.com/

http://www.lisa-hugo.com/videos.html

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