Schulgeschichte: 1870 wird Schulleiter Reuter aus dem Dienst verwiesen

Schulgeschichte: 1870 wird Schulleiter Reuter aus dem Dienst verwiesen

1870: Schulleiter Wilhelm Reuter wird aus dem Dienst verwiesen – was damals passierte, beleuchtet ein Artikel der OZ ebenso wie die historische Aufarbeitung durch Heinrich Janssen, früherer stellvertretender Schulleiter des Ulricianums.

Aufschlussreicher Blick auf die Auricher Schulgeschichte

Der Großvater von Ernst Reuter wurde im Jahr 1870 zwangspensioniert. Namhafte Schüler wie Rudolf von Jhering äußerten sich in Schreiben dazu.

Von Karin Lüppen

aurich – Dank der Landesbibliothek und des Staatsarchives in Karlsruhe ist nun ein neuer, aufschlussreicher Blick auf die Auricher Schulgeschichte möglich: Das Staatsarchiv Aurich hat auf Vermittlung der beiden Einrichtungen kürzlich 40 Briefe an Wilhelm Reuter, den früheren Rektor des Gymnasiums Ulricianum und Großvater des späteren Berliner Bürgermeisters Ernst Reuter, erhalten.

„Reuter war keine unumstrittene Persönlichkeit“, sagte Stefan Pötzsch vom Staatsarchiv Aurich. Die Briefe stammen aus den Jahren 1850 bis 1860, als Reuter wegen seiner extrem konservativen Haltung in die Kritik geraten sei. In der Schule habe es offene Auseinandersetzungen zwischen dem Rektor und seinen liberal gesinnten Schülern gegeben. Dieses sei bereits bekannt gewesen, so Pötzsch.

Was jetzt neu ist: Offenbar habe Reuter seine Schüler, auch ehemalige, darum gebeten, sich in Schreiben für ihn einzusetzen, sagte Pötzsch. Diese Briefe gelangten nun nach Aurich. Mehrere namhafte Schüler, wie der spätere Leiter der Sternwarte in Wilhelmshaven, Dr. Wilhelm van Vreden, oder der Auricher Notar Salomon Säckel und Bürgermeister Kempe hätten sich in den Schreiben positiv über die Unterrichtsmethoden Reuters geäußert.

„Es gab allerdings auch bekannte Schüler, die sich darüber beklagten, nicht viel bei ihm gelernt zu haben“, sagte Pötzsch weiter. Das waren unter anderem Rudolf von Jhering und der spätere Nobelpreisträger Rudolf Eucken. Erfolgreich sei die Hilfe jedenfalls nicht gewesen: 1870 wurde Reuter im Alter von 67 Jahren zwangspensioniert.

Wie die Briefe nach Karlsruhe kamen, ist unbekannt. Sie seien dort mit anderen Papieren im Staatsarchiv eingelagert gewesen und erst kürzlich gefunden worden. Nur knapp seien sie durch eine Anfrage an das Auricher Archiv der Vernichtung entgangen. „Wir hatten natürlich Interesse an den Briefen“, sagte Archivdirektor Prof. Dr. Bernhard Parisius. Solcher Austausch unter den Einrichtungen sei durchaus üblich.

Quelle: Ostfriesen Zeitung – 24. 11. 2010

Mehr dazu: Heinrich Janssen in der Festschrift des Ulricianums zum 350. Jubiläum (1996) in einer Veröffentlichung der Ostfriesischen Landschaft:


>> Heinrich Janssen: Ludwig Wilhelm Maximilian  REUTER