Spatenstich für das EEZ: OZ-Artikel

Spatenstich für das EEZ: OZ-Artikel

 Eine reiche Stadt erfüllt sich ihren großen Traum

Erster Spatenstich für das 27 Millionen Euro teure Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum in Aurich

von Stephan Schmidt

 

Auf 6800Quadratmetern sollen sich ab Mitte 2014 pro Jahr mehr als 100000Schüler und Touristen tummeln. Es ist ein bundesweit wohl einmaliges Projekt.

Aurich – Sechs Spaten werden in den Sandhaufen gerammt. Strahlende Gesichter, die Stimmung ist trotz der schneidenden Kälte prächtig. Im Hintergrund ragen die riesigen Werkshallen von Enercon auf. Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst spricht von einem großen Augenblick für ein Leuchtturmprojekt. Eine Vision wird zur Wirklichkeit.

Gestern war der symbolische erste Spatenstich für das Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrum, kurz EEZ, in Aurich. Der Bauplatz direkt neben dem Windkraftanlagenhersteller ist passend gewählt: Energie der Zukunft ist das Leitthema der geplanten Einrichtung. Finanziert wird der Bau vor allem von der Stadt Aurich, die ihre üppigen Steuereinnahmen zu einem großen Teil Enercon zu verdanken hat.

27_spatenstich_ozPic-p436709

Wie auf dem Bauschild: Der SPD-Landtagsabgeordnete Wiard Siebels (von links), Ortsbürgermeister Eckhard Hattensaur, Erster Stadtrat Hardwig Kuiper, Bürgermeister Heinz-Werner Windhorst, Ausschussvorsitzender Hinrich Wilts und Architekt Lothar Tabery griffen gestern Nachmittag zur Schaufel. Bild: OrtgiesWas in Aurich in den nächsten Monaten entsteht, davon können andere Städte in Ostfriesland nur träumen. Ein bundesweit wohl einmaliges Projekt wird umgesetzt. Für fast 27 Millionen Euro wird ein 6800 Quadratmeter großes Gebäude errichtet. Eine silbrigglänzende futuristische Fassade hat sich der Architekt Lothar Tabery aus Bremervörde dafür einfallen lassen.

Drinnen soll sich alles um die Energie drehen, um deren Erschließung und Nutzung. Das EEZ soll dazu mit Wissenschaftlern und anderen Fachleuten zusammenarbeiten, so das Konzept. Inhalte sollen pädagogisch sinnvoll und zugleich spannend aufbereitet werden. Es soll ein Ort des Lernens werden. Seminar- und Ausbildungsräume werden eingerichtet. Labore für Chemie, Physik und Biologie entstehen, außerdem ein „Experimentarium“, in dem Besucher das Thema Energie mit allen Sinnen erleben sollen.

Die Rut- und Klaus-Bahlsen-Stiftung aus Hannover richtet eine Projektküche ein. Heben die Schüler dort etwa den Deckel eines Kochtopfes an, sehen sie sofort, dass der Energieverbrauch steigt. In fünf Jahren will die Stiftung 600 000 Euro ins EEZ stecken. Die Räume bekommt sie von der Stadt kostenlos zur Verfügung gestellt.

Raus aus der Schulklasse, rein in die Energie-Erlebniswelt: So sieht die Wunschvorstellung der Macher aus. Das Studienseminar Aurich zieht gleich mit ins Gebäude. Grundsätzlich wird aber nicht nur Schülern, sondern allen Interessierten das EEZ offenstehen. Mehr als 100 000 Besucher jährlich sollen angelockt werden. Gastronomie und Shops sollen das Angebot abrunden. „Ein hohes Maß an Attraktivität“ verspricht der Bürgermeister.

An ihrem Vorzeigeprojekt arbeitet die Stadt Aurich schon seit März 2008. Damals begannen die ersten Planungen. Lothar Tabery setzte sich bei einem Architektenwettbewerb durch, der im Februar 2009 gestartet wurde.

Ungeteilt ist die Begeisterung über das Vorhaben nicht. Das liegt vor allem an den gewaltigen Kosten. Noch im November 2011 war von zehn Millionen Euro die Rede. Klammheimlich, so sagen Kritiker wie die Fraktion Gemeinsam für Aurich, seien die Kosten gestiegen, zuletzt um rund 4,6 Millionen Euro auf die heutige Summe. Der Stadtrat sei gar nicht mehr gefragt worden. Hendrik Siebolds, Ratsherr der Linken, rechnet mit 30 Millionen. Von dem Geld würde er lieber 300 Wohnungen bauen lassen, sagt er.

Gestern, beim ersten Spatenstich, war die Freude ungetrübt. „Wir wollen uns hier kein Denkmal setzen“, sagte der Bürgermeister. „Wir wollen unsere Region zukunftsgemäß ausrichten.“ Mitte nächsten Jahres soll das EEZ seine Türen öffnen.

Zuschüsse in Höhe von fünf Millionen Euro erhält die Stadt Aurich bei der Finanzierung des Energie-, Bildungs- und Erlebniszentrums (EEZ) an der Kreuzung Dornumer Straße/Osterbusch in Aurich.

Der Landkreis Aurich zahlt 1,8 Millionen Euro, die Deutsche Bundesstiftung Umwelt steuert 800 000 Euro bei und die N-Bank des Landes Niedersachsen 2,4 Millionen Euro.

Zu den Partnern des Projekts gehören der Windkraftanlagenhersteller Enercon, das Climate Center North des Landkreises Aurich, das Zentrum für nachhaltige Ernährung, das Regionale Pädagogische Zentrum Aurich, das Studienseminar Aurich, das Zentrum für Natur und Technik, die Werkstätten für behinderte Menschen und der Verkehrsverein Aurich.

Der Verein Pro Publico der Uni Bremen unterstützt das Vorhaben. Die Organisation fördert den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft.

 

Quelle: Ostfriesen Zeitung (e-paper) – 27. Februar 2013