Jann Penon ist Ossiloop-Sieger 2013 – Glückwunsch!!!

Jann Penon ist Ossiloop-Sieger 2013 – Glückwunsch!!!

Was für eine Dramatik bei der letzten Etappe des Ossiloops. Jann „ging“ nach Leer – und wurde mit gerade noch  acht Sekunden Vorsprung vor Justus Bornemann vom TUS Weener  Ossiloop-Sieger 2013  in der männlichen Jugend.

Wurde in den Zeitungen schon von einer Vorentscheidung bei der männlichen Jugend gesprochen, so zeigte sich, dass auch auf den letzten Metern noch immer viel passieren kann. Etwa bei Kilometer 7 der letzten Etappe bekam Jann solche Bauchschmerzen, dass an ein Weiterlaufen nicht zu denken war. Er musste die Konkurrenten ziehen lassen und ging mehrere hundert Meter. Unterstützung fand er in diesen Momenten bei zahlreichen Konkurrenten, aber natürlich auch bei den Ulricianern, die ihn überholten. Besonders der Drittplatzierte der männlichen Jugend Jannis Langensiepen (ein Auricher, der für die LG Harlingerland startet) schrie  Jann förmlich an und forderte ihn auf,  weiterzulaufen. Mit Erfolg. Unter Schmerzen begann Jann noch einmal Tempo aufzunehmen und schaffte es tatsächlich bis ins Ziel in der Leeraner Innenstadt.

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Man sieht es: Der Zieleinlauf in Leer wurde zur Qual.

Im festen Glauben, den ersten Platz verloren zu haben, verließ Jann schnell den Denkmalsplatz und musste den Schock zunächst verdauen. Nie zuvor war ihm Derartiges bei einem Lauf passiert. Nach einiger Zeit entschloss man sich bei der Zeitnahme nachzufragen, welcher Platz es denn letztendlich  geworden war. Und dann die Überraschung: Jann hatte gerade einmal acht Sekunden von seinem ursprünglichen Vorsprung von fast drei Minuten ins Ziel retten können und behielt den ersten Platz in der Wertung der männlichen Jugend beim Ossiloop 2013. Die Erleichterung war groß und der Rest des Abends fand nach diesem ersten Schock doch noch ein viel umjubeltes Ende.

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Bei der Siegerehrung konnte Jann wieder lachen – doch noch Ossiloop-Sieger.

Jann hat übrigens das erste Mal 2004 am Bambinilauf des Ossiloops in Holtrop teilgenommen. Im folgenden Jahr startete er zum ersten Mal bei einem Lauf mit Zeitnahme: Auf Anhieb konnte er den Matjeslauf in Emden in seiner Altersklasse souverän vor mehreren Tausend Zuschauern gewinnen. Überrascht von diesem Erfolg blieb Jann fortan beim Laufen und lief 2008 zum ersten Mal eine Etappe beim Ossiloop. Mit gerade 12 Jahren wurde Jann ein Jahr später zum ersten Mal Dörlooper aller sechs Etappen. Inzwischen sind es 31 gelaufene Ossiloop-Etappen – alle für das Ulricianum. Nachdem er in den letzten Jahren die Plätze 7 und 4 in der männlichen Jugend belegte, gelang in diesem  Jahr völlig unerwartet der erste Ossiloop-Sieg! Schließlich läuft Jann immer noch gegen Konkurrenten, die bis zu drei Jahre älter sind als er. Seit zwei Jahren trainiert Jann beim MTV Aurich, wo er die Grundlagen des Laufens bei Ingo Kaun erlernt hat. Seit November wird er von Holger Grigat trainiert, der in der Gesamtwertung des diesjährigen Ossiloops den dritten Platz erreicht hat und 2004 sogar selber Ossiloop-Sieger bei den Herren  war. Sowohl vom Training als auch von der Erfahrung Grigats konnte Jann überraschend schnell profitieren.  Vielen Dank an beide Trainer! Und…

Glückwunsch, Jann!

 

ON-Artikel:

„Da kommt kein Weihnachten mit“

Von Silke Meyer

Vom Bambini zum Ossiloop-Geamtsieger: Auricher Jann Penon von Haus aus eigentlich Fußballer – Laufen immer größeren Stellenwert

Leer. Bloß weg hier. Nichts mehr hören und sehen. Nur noch abtauchen. Dabei ist der Zieleinlauf in Leer unter Tausenden von Zuschauern so genial. Das alles interessierte Jann Penon aber nicht. Und genießen konnte er, der mit fast drei Minuten Vorsprung als souverän Führender der männlichen Jugend auf die Schluss etappe des 32. Ossiloops gegangen war, das Finale schon gar nicht. Er quälte sich ins Ziel. Dachte: das war’s mit dem Gesamtsieg in der männlichen Jugend. Eine Ewigkeit von einer Stunde war er völlig frustriert. Und dann wohl der glücklichste Teilnehmer des Ossiloops. Acht Sekunden waren ihm von seinem Zeitpolster noch geblieben. Und der Auricher doch Gesamtsieger. Gewissheit brachte eine Nachfrage bei der Zeitnahmestelle.

„Da kommt kein Weihnachten mit“, schildert sein Vater Focko Penon, der selbst auch alle Etappen gelaufen ist, die Wanderung durch die Gefühlswelten. Er wollte es erst nicht glauben und dachte, sie würden ihn auf den Arm nehmen, als er im Ziel fragte: „Wie ist Jann gelaufen?“ Und zur Antwort bekam: „Total eingebrochen.“ Er war es auch gewesen, der seinen Sohn, der Zuflucht beim in der Nähe geparkten Auto gesucht hatte, aus dem Frusttal gezogen hatte. „Komm, wir gehen jetzt und fragen mal nach.“

Was auf der Etappe von Holtland nach Leer in seinem Körper passiert ist, weiß Jann bis heute nicht: „Ich habe mich vor dem Start gut gefühlt, bin das Rennen gut gestartet. Es lief alles super.“ Bis Kilometer sieben. Der Hälfte der Strecke. Dann kamen die Schmerzen. War es Seitenstechen? Oder waren es Magenkrämpfe? „Keine Ahnung.“ Jann ist ein gutes Stück gegangen. Hat die Arme nach oben gestreckt. Durchgeatmet. „Und dann siehst du, wie einer nach dem anderen, der hinter dir im Klassement ist, an dir vorbeizieht.“ Allen voran der zweitplatzierte Justus Bornemann (TuS Weener). Da dachte Penon nur: „Ich schaff es nicht mehr, den ersten Platz zu halten.“

Die, die ihn überholten, gaben ihm aber auch die Kraft durchzuhalten: „Alle haben mich motiviert. Und Jannis Langensiepen hat mich sogar noch ein gutes Stück gezogen.“ Zweimal musste Penon aber noch vom Lauf- ins Schritttempo wechseln. Die Treppe zwei Kilometer vor dem Ziel, die über die Bahnstrecke führt, „das war der Punkt, an dem es wieder ging.“ Das Ende ist bekannt.

2004 hat Penon erstmals Ossiloop-Luft geschnuppert. Da wurde vor dem Start der Etappe von Holtrop nach Plaggenburg ein Bambinilauf organisiert. Er war damals sieben Jahre und machte mit. Ein Jahr später meldete ihn seine Tante für den Jüngstenwettbewerb beim Emder Matjeslauf. Er lief vorneweg. Von Haus aus ist Penon aber eigentlich Fußballer und seine Teilnahme an weiteren Läufen war eher ein „Abfallprodukt“ des Trainings. Das hat sich inzwischen geändert. Fußballer ist er nach wie vor. Er spielt aktuell in der B-Jugend des JFV Aurich. Aber das Laufen hat einen größeren Stellenwert bekommen.

2008 ist er als Elfjähriger seine erste Ossiloop-Etappe gelaufen. Von Bagband nach Holtrop. Bei Oma und Opa vor der Haustür. Im Jahr darauf ist er erstmals von Anfang bis Ende gestartet. 45. war er damals in der Gesamtwertung. Seitdem ist er jedes Jahr gestartet, trainiert inzwischen beim MTV Aurich, erst unter Ingo Kaun, jetzt unter Holger Grigat. Zur Ossiloop-Zeit kommt das Laufen sogar vor Fußball. 2012 war Penon 16. in der Gesamtwertung und Vierter der männlichen Jugend. Ja, und in diesem Jahr, in dem er einen Tag nach der zweiten Etappe 16 Jahre geworden ist, ganz vorn. Damit hatte Penon, ungeachtet der letzten Etappe, nicht gerechnet, obwohl er gut vorbereitet war.

Auf die Anfangsetappe machte er sich erstmals ohne Pulsuhr, die kurz vor dem Ossiloop ihren Dienst quittiert hatte. Penon kam gleich als Erster der männlichen Jugend ins Ziel. Er setzte anschließend auch keine Uhr wieder ein und baute seinen Vorsprung aus: „Ich habe mich an den Läufern orientiert, die um mich herum platziert waren.“

Penon hatte beim Ossiloop für das Gymnasium Ulricianum gemeldet und sorgte mit seinem Gesamtsieg für den krönenden Abschluss einer beeindruckenden Schul-Gesamtbilanz. Von 69 gemeldeten Teilnehmern liefen 61 alle Etappen. Unter den ersten Zehn der männlichen Jugend waren fünf Ulricianer. Und nur Jann Penon ein „typischer“ Läufer. Unter den ersten Zehn der weiblichen Jugend waren zwei Ulricianerinnen. Mit Tomke Wachtendorf auf Platz fünf (Jahrgang 2000) eine der jüngsten Teilnehmerinnen.

Seit Januar hatten sich die Schüler unter der Regie der Lehrer Focko Penon und Marcus Struckmeyer im Rahmen einer AG gezielt auf den Ossiloop vorbereitet. „Dass die Schüler den Aufwand auf sich nehmen, ist schon außergewöhnlich“, zollte Penon ihnen Respekt. Schon im vergangenen Jahr hatte er gedacht, das Ergebnis nicht mehr toppen zu können. Die Schüler haben ihn jetzt eines Besseren belehrt. Auch im nächsten Jahr wollen Penon und Struckmeyer mit dem Gymnasium wieder dabei sein. „Mein Traum ist es, einmal 100 Ulricianer am Start zu haben“, sagt Penon.

 Quelle: Ostfriesische Nachrichten – 17. Mai 2013