Ulricianer abroad [8/x]: Marieke in Oregon „Kleine Schule bietet viele Möglichkeiten“ (ON)

Ulricianer abroad [8/x]: Marieke in Oregon „Kleine Schule bietet viele Möglichkeiten“ (ON)

Auricher Schülerin kann im neuen Semester viel Neues ausprobieren / Sport ist von großer Bedeutung

Von Marieke Frerichs

Oregon. Bereits Ende November ist in Adrian praktisch mit Thanksgiving die Winterzeit angebrochen. Thanksgiving, ist sicherlich vielen schon bekannt. Es ist im Grunde genommen eine Art Erntedankfest, es weicht aber vom europäischen Fest ab.

Den Morgen haben wir mit einem Fünf-Kilometer-Fun-Run in Boise/Idaho gestartet. Es war sehr kalt und einer der ersten Tage, wo es Minusgrade gab. Das berühmte Thanksgiving-Essen haben wir zu Hause bei unserer Gastfamilie mit einigen Verwandten gefeiert. Es wurde traditionell Truthahn mit Kartoffelpüree, verschiedenen Gemüsesorten wie grünen Erbsen und Mais und einer großen Auswahl an Beilagen und Nachspeisen wie Cranberry-Sauce, Süßkartoffeln (Sweet Potatoes), Apfel- und Kürbiskuchen (Apple Pie und Pumpkin Pie) serviert.

Gegen Abend fing der Blackfriday-Wahnsinn an. Viele verschiedene Geschäfte und Firmen haben Wochen zuvor schon Prospekte ausgeteilt, in denen für spezielle Angebote geworben wurde. Vor den Geschäften hatten sich Stunden vorher schon Warteschleifen gebildet, um die besten Schnäppchen zu ergattern. Wir waren bis in die Nacht shoppen. Der Blackfriday wird zudem als Beginn der Weihnachtseinkaufssaison angesehen.

Das Mädchen-Basketballteam der Adrian High School mit Coach Gene Mills und Kevin Purnell.

Das Mädchen-Basketballteam der Adrian High School mit Coach Gene Mills und Kevin Purnell.

Am 1. Dezember haben meine Gastfamilie und ich das Haus dekoriert. In den USA ist Weihnachten nach meinem Empfinden das wichtigste Fest. Es dreht sich Wochen zuvor schon um Weihnachten, jedoch sehr konsumorientiert. Normalerweise feiern die Amerikaner nur den 1. Weihnachtstag am 25. Dezember. Meine Familie und ich sind jedoch, so wie ich es auch aus Deutschland kenne, an Heiligabend zur Kirche gegangen.

Nach dem Gottesdienst wurde fein zu Abend gegessen und es wurden die Geschenke ausgepackt. Meine Gastschwester und ich haben ganz traditionell einen gefüllten Stocking bekommen. Es handelt sich um eine große Socke, welche schon Tage zuvor am Kamin aufgehängt wird. Die Socke war gefüllt mit alltäglichen nützlichen Dingen wie Zahnbürste und weiteren Kosmetikartikeln.

An dem eigentlichen amerikanischen Weihnachtsfeiertag wurden nur Koffer gepackt, weil wir zusammen am nächsten Tag nach Missouri geflogen sind. Als wir am 27. Dezember dort eintrafen, habe ich keinen großen Unterschied zur Gegend um Adrian feststellen können. Unser Reiseziel Boonville liegt ebenfalls ziemlich ländlich. Es war sehr warm die ersten Tage, für Missouri sehr ungewöhnlich, jedoch sind die Temperaturen innerhalb von zwei Tagen um 30 Grad (!) gesunken.

Silvester wird in den USA nahezu überhaupt nicht gefeiert – trotz der Bilder im Fernsehen von New York. Vor allem unter Jugendlichen ist es nicht üblich, etwas zu unternehmen. Viele waren schon vor Mitternacht im Bett. Wir waren noch in Missouri und haben mit der Familie Spiele gespielt und den Countdown von New York im Fernsehen verfolgt. Raketen und Knaller sind absolut tabu – dafür haben sie aber mehr Gewehre.

Am Neujahrstag sind wir dann wieder zurückgereist. Normalerweise wären wir spät abends abgeflogen, allerdings hatte unser Flugzeug einen mechanischen Schaden und ist somit nicht am Abflughafen gelandet. Zudem kam dann der erste Schnee, der Tage später zu dem großen Blizzard wurde. Glücklicherweise haben wir ein Hotel für die Nacht gestellt bekommen. Unsere Flüge wurden für den kommenden Tag bei einer anderen Airline gebucht, sodass wir noch gerade rechtzeitig wegkamen.

Es gab eine extreme Kältewelle mit eisigen Stürmen im Nordosten und Mittleren Westen. Zahlreiche Flüge, Schulausfälle und Fahrverbote für Autos wurden ausgesprochen. Im Westen dagegen herrschte angenehmeres Klima, im Grund genommen wie bei uns in Ostfriesland. Als wir von den Schneemassen im Osten hörten, waren wir erstaunt.

Den Rest der Ferien habe ich ausschließlich mit Basketball verbracht. An den Highschools werden Punktspiele auch in den Ferien ausgetragen. Die Basketballsaison hat vor etwa zwei Monaten begonnen. Unser Team hat sehr viele Spiele (zwei bis vier die Woche), sodass wir in der Woche und am Wochenende sehr viel reisen. Wie groß dieses Land ist, lerne ich immer wieder bei den Auswärtsspielen. Es wird beim alltäglichen Training immer alles gegeben, denn jedes Spiel ist entscheidend für das Ende der Saison, wo die District-Turniere stattfinden.

Die Sportarten werden exakt aufgeteilt. August bis Oktober wird Volleyball für die Mädchen und Football für die Jungen angeboten. Im Winter wird Basketball, Wrestling und im Frühjahr Leichtathletik, Softball oder Baseball gespielt. An größeren Schulen gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, allerdings ist es schwieriger, in deren Teams zu kommen, weil es Try-outs gibt, eine Art Probetraining, in dem die Trainer aussortieren.

Ich bin froh, an einer kleineren Schule in Adrian zu sein, denn ich kann an jeder Sportart teilnehmen und Neues lernen.

Das erste Semester und somit auch die erste Hälfte meines Auslandsjahres ist nun vorüber. Ich habe bislang sehr viel erlebt und bin gespannt auf die zweite Hälfte. Es erwarten mich neue Sportarten, der Frühling und der berühmte Prom.

Die Gymnasiastin Marieke Frerichs aus Wallinghausen verbringt zurzeit ein Austauschjahr im US-Bundesstaat Oregon. Der Ort Adrian, in dem sie lebt, liegt östlich von Oregon in der Nähe des Snake Rivers. Marieke ist in einer mormonischen Familie untergebracht. Für die ON berichtet sie von ihren Erlebnissen und Eindrücken.

Quelle: Ostfriesische Nachrichten – 25. Februar 2014

 >> Mariekes erster Bericht vom August 2013