Nach dem Abi: Pia geht für ein Jahr nach Süd Afrika (ON-Artikel)

Nach dem Abi: Pia geht für ein Jahr nach Süd Afrika (ON-Artikel)

„Affen sind wohl die größte Gefahr“

Von Franziska Laube

Die 18-jährige Pia Redenius wird für ein Jahr in Südafrika leben und dort mit Kindern arbeiten

Aurich. „Meine größte Angst ist es, dass ich die regionale Sprache nicht schnell lerne. Ansonsten freue ich mich eigentlich nur unglaublich“, sagt die 18-jährige Pia Redenius. Für ein Jahr wird die Abiturientin des Auricher Gymnasiums Ulricianum in Mdumbi, einem kleinen Dorf am Ostkap Südafrikas, leben, um dort vor allem mit Kindern zu arbeiten. Die nächstgrößere Stadt ist Mthata und liegt rund zwei Autostunden entfernt. Bereits 2013 nahm Redenius zwei Wochen lang an einem Südafrika-Austausch des Landessportbunds teil. Nun möchte sie zwölf Monate lang in einer der ärmsten Regionen des Staates verbringen. Ende August, spätestens Anfang September soll ihre Reise beginnen.

Vor Ort wird die 18-Jährige in einer Vorschule und einem Bildungscenter mitarbeiten. Wichtig sei ihr, dass sie als freiwillige Helferin die Menschen vor Ort unterstütze und keinen Arbeitsplatz blockiere. „Alles, was ich dort mache, ist ein Zusatzangebot für die Bevölkerung“, erklärt Redenius. Vormittags wird sie Englisch und Mathe sowie den Umgang mit Computern unterrichten. Am Nachmittag ist es ihre Aufgabe, sich Projekte für die Kinder des Dorfes zu überlegen. „Die Aktionen werden wohl sehr sportlich werden“, meint die Abiturientin, da sie selber sehr viel Sport mache.

In Aurich spielt Pia Redenius regelmäßig Wasserball und leitet eine Kinderturngruppe beim MTV Aurich. Sie vermutet, dass ihr diese Hobbys auch einen kleinen Vorteil bei der Bewerbung für das Projekt verschafft haben. Als sie die Nachricht bekam, für das Südafrikaprojekt ausgewählt worden zu sein, habe sie sich riesig gefreut. „Als ich dann hörte, dass es auch noch in meine Wunschregion geht, war das ein richtiger Glückstreffer für mich.“

Untergebracht sein wird sie während der Zeit in einem Backpackerhostel – eine kleine Ansammlung aus Lehmhütten mit Strohdach. „In das Hostel ziehe ich in erster Line, weil mich die Organisation während meines Aufenthaltes sicher untergebracht wissen will“, erklärt Redenius. Besonders gefährlich sei es für sie vor Ort aber nicht. „Die größte Gefahr sind wohl die Affen, die überall rumrennen und alles klauen. Auch gibt es im Meer Haie.“ Vor Insekten sollte man ebenfalls keine Angst haben, große, wilde Tiere gebe es hingegen kaum.

Ihr Lebensstandard vor Ort wird durch die Unterbringung im Hostel besser sein, als der der Einheimischen, aber nicht zu vergleichen mit Deutschen Verhältnissen. „Ich rechne zum Beispiel nicht damit, dass es warmes Wasser zum Duschen gibt“, so Redenius. Besorgt ist sie deswegen nicht. „Es ändert sich sicherlich die persönliche Einstellung, wenn man nicht wie in Deutschland immer alles hat.“

Auch das Essen wird etwas anders sein. „Durch die Nähe zum Indischen Ozean gibt es sehr viele Meerestiere und Fische. Aber auch jede Menge Kürbis und Süßkartoffeln stehen auf dem Speiseplan sowie recht viel Fleisch“, erinnert sich Redenius noch von ihrer letzten Südafrikareise.

Die Sprache, die in Mdumbi gesprochen wird, heißt Xhosa, eine Klicksprache. „Die Erwachsenen können aber auch ein bisschen englisch sprechen“, so Redenius. Sie hofft, von den Kindern schnell einige Vokabeln zu lernen. „Aber das wird schon schwierig“, vermutet sie.

Nicht so schwer darf allerdings der Koffer der 18-Jährigen sein. 20 Kilogramm Gepäck darf sie für ein Jahr mitnehmen. „Neben meinen Sportsachen muss ich für warmes und kaltes Wetter packen. Für private Dinge bleibt kaum Platz“, so Redenius. Im Sommer kann es in der Region bis zu 40 Grad heiß werden – im Winter schneit es sogar ab und an.

Anders als andere Jugendliche, hat sich Pia Redenius entschieden, nicht öffentlich im Internet auf einem Blog über ihre Reise zu berichten. „Ich mag die Vorstellung nicht, dass jeder meine privaten Bilder sehen und von meinen persönlichen Erfahrungen lesen kann“, so die 18-Jährige. Stattdessen werde sie aber einen E-Mail-Verteiler einrichten und allen Interessierten so ihre Reiseberichte zukommen lassen.

Das Projekt ist Teil des Freiwilligenprogramms „weltwärts“. Entsendet wird Pia Redenius vom Deutschen Roten Kreuz, vor Ort arbeitet sie für die Nichtregierungsorganisation Transcape. Das Projekt wird zu 75 Prozent vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert. Die restlichen 25 Prozent – rund 1800 Euro – sollen durch Spenden finanziert werden. „Es gehört auch zu meinen Aufgaben, den Großteil der benötigten Summe aufzubringen“, sagt Redenius. Dafür hat sie mit Unterstützung der Auricher Druckerei Meyer einen Flyer erstellt, den sie an Unternehmen verteilen und um Spenden bitten möchte.

Bevor ihre Reise startet, hat sie daher noch einiges zutun. Auch musste die 18-Jährige geimpft werden und ein Visum beantragen. „Es gab einiges zu organisieren, aber das habe ich gerne gemacht“, so Redenius.

Nun muss sie nur noch eines erledigen: Bewerbungen schreiben. Wenn sie aus Südafrika zurück ist, möchte sie studieren. „Am liebsten International Management, gerne in den Bereichen Sport oder Politik“, sagt sie. Ganz sicher sei sie aber noch nicht.

Quelle: Ostfriesische Nachrichten – 17. Mai 2014

 

Mit dem Landessportbund war Pia Redenius (links) bereits im vergangenen Jahr für zwei Wochen in Südafrika. Foto: privat