Interview mit Herrn Buback

Interview mit Herrn Buback

Heute haben Schülerinnen und Schüler aus dem 11. und 12. Jahrgang Herrn Prof. Dr. Buback interviewt, der am Abend zuvor im Rahmen der Eröffnung der 25. Auricher Wissenschaftstage über die Ermordung seines Vaters, Bundesgeneralanwalt Buback, im Jahr 1977 berichtet hatte. Es war ein intensives und interessantes Gespräch. Hier nun der ausführliche Bericht der Teilnehmenden:

Im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage war Michael Buback in Aurich zu Gast. Neben seiner primären Aufgabe, welcher ein Vortrag bei den Wissenschaftstagen war, besuchte er ausgewählte Schülerinnen und Schüler aus dem elften Jahrgang des Gymnasiums und stellt sich ihren Fragen.

Michael Buback ist der Sohn des ehemaligen Generalbundesanwalts Siegfried Buback. Dieser wurde 1977 von der linksradikalen Gruppierung „Rote Armee Fraktion“, kurz RAF, ermordet. Am 9. April 1977 wurde Siegfried Buback auf dem Weg zum Bundesgerichtshof in Karlsruhe erschossen. An einer Ampel wurde das Fahrzeug, in dem Herr Buback und sein Fahrer sowie ein weiterer Mitarbeiter des Bundesgerichts saßen, von einem Motorrad attackiert. Bei dem Anschlag verloren alle drei Insassen ihr Leben. Der Fall Buback gilt als einer der spannendsten und Aufsehen erregendsten der deutschen Geschichte. Zum einen wegen der Grausamkeit, mit welcher die Täter vorgingen, zum anderen durch den weiteren Verlauf nach dem Mord. Dieser schien uns allen unglaublich, denn der Fall wurde nie vollständig aufgeklärt. Darüber wollte Herr Buback bei seinem Vortrag in der Sparkasse, aber auch mit den Jugendlichen der Schule, sprechen.

In dem Interview gab er seine Erkenntnisse und Beweise preis, die er gemeinsam mit seiner Frau herausgefunden hatte, nachdem die wahren Täter längst als gefasst und verurteilt galten. Erst viele Jahre nach der Tat stellte sich nämlich heraus, dass die drei bis dahin verurteilten Täter zum Tatzeitpunkt gar nicht in Karlsruhe waren. Dafür kamen neue Personen ins Spiel. Die beiden Herren Sonnenberg und Wisniewski und Verena Becker, die wohl bekannteste. Für uns alle war es unglaublich zu hören, dass das BKA und der Verfassungsschutz scheinbar ganze Arbeit geleistet hatten, die wahren Täter zu vertuschen. Verschwundene Akten und nicht protokollierte Zeugenaussagen sind nur wenige unter den vielen Indizien dafür, dass beim Fall Buback etwas nicht stimmte. Ein weiteres Beispiel dafür ist die Tatsache, dass seit dem Zeitpunkt des Mordes stets nach Männern gefahndet wurde, obwohl es eindeutige Hinweise und nach und nach insgesamt über zwanzig Zeugenaussagen für eine Frau als Haupttäterin gab.

Wir hatten nun auch die Möglichkeit, unsere Fragen, die wir im Voraus zu unterschiedlichen Themen bezüglich des RAF-Terrors ausgearbeitet hatten, zu stellen und so mit Herrn Buback ein interessantes Gespräch aufzubauen. Hier ging es sowohl um seinen persönlichen Umgang mit der Gesamtsituation, als auch um Bezüge zum NSU, damit verbundenen Prozessen und die Stellung des Rechtsstaats in solchen Situationen. Viel Zustimmung erhielt unter anderem die Aussage Herrn Bubacks, der Rechtsstaat funktioniere in 99% der Fälle sehr gut. Die restlichen 1% seien Vorkommnisse, in die der Staat involviert sei.

Zuletzt gab Herr Buback uns mit auf den Weg, stets alles zu hinterfragen und kritisch zu reflektieren, dies sei, auch in einem funktionierenden System, von besonderer Wichtigkeit.

Insgesamt war es für uns also eine sehr interessante und gute Erfahrung, uns näher mit dem Terror an sich und Funktionen des Rechtsstaats zu befassen.