„Ossiloop ist Familiensache“ (ON-Artikel)

„Ossiloop ist Familiensache“ (ON-Artikel)

Piet Janssen vor drei Jahren zu jung, um allein zu starten / Seine Eltern machten mit und nun auch seine Schwester
Von Silke Meyer
Aurich. Einmal noch. Heute steht die sechste und damit letzte Etappe an. Zehn Kilometer von Nortmoor nach Leer. Dann haben es die Ossilooper geschafft und das Ziel erreicht. Die einen sind froh, dass es vorbei ist. „Schade eigentlich“, sagt Lotte Janssen, mit zehn Jahren eine der jüngsten Teilnehmerinnen und zum ersten Mal dabei. „Ossiloop ist schon schön“, findet auch ihr 13-jähriger Bruder Piet.

Für ihn ist es bereits der dritte Ossiloop. „17 Etappen bin ich bis jetzt gelaufen.“ Heute folgt die 18. Er ist vor drei Jahren die treibende Kraft gewesen, die aus der vierköpfigen Auricher Lauffamilie ein begeistertes Ossiloop-Quartett werden ließ.

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Seine Eltern, Jann Janssen und Anke Manthey-Janssen, haben den Laufsport für sich entdeckt, um von der Arbeit abzuschalten. Piets Vater weckte damals in seinem Sohn die Lust, an der Ossiloop-AG am Gymnasium Ulricianum teilzunehmen. Aus der Lust wurde der Wunsch, auch beim Lauf zu starten. Voraussetzung war, dass ein Elternteil mitläuft, da Piet erst in der sechsten Klasse war. So kam eins zum anderen.

„Damals gab es im Ziel dieses rosa T-Shirt“, erinnert er sich mit leicht gerümpfter Nase. Vor drei Jahren war Piet einer der jüngsten Läufer. Jetzt ist es seine Schwester. Und die ist bei ihrem ersten Mal flott unterwegs. So schnell wie keiner sonst aus der Janssen-Familie. Für ihren Bruder ist das kein Problem: „Ich konnte in diesem Jahr nur jedes zweite Mal mit der AG trainieren.“ Außerdem bereitete ihm auf der vierten Etappe die Hüfte Probleme: „Deshalb habe ich mir auf der fünften gesagt, lauf mal lieber ein bisschen langsamer.“

Lotte hat als Gast bei der Ulricianum-Laufgruppe mittrainiert. Sie wechselt erst im Sommer von der Reilschule aufs Gymnasium. „Wichtig ist nur, dass sich die Beiden beim Laufen gut fühlen“, sagt ihr Vater, dem es darauf ankommt, dass seine Kinder Spaß am Sport haben.

„Vor der ersten Etappe war ich ganz schön aufgeregt“, räumt Lotte ein. Auch deshalb, weil ihr der Startschuss suspekt ist: „Aber der war gar nicht so laut, wie ich gedacht hab.“ Bisher ist sie nur kürzere Distanzen gelaufen.

Der Blick in die Ergebnislisten ist spannend
Mit den gemachten Erfahrungen auf dem ersten Teilstück liefen sich die anderen Etappen schon leichter. Sie waren deswegen aber nicht weniger reizvoll. Besonders spannend ist noch am Abend einer Etappe immer der Blick in die Ergebnisliste. Wie schnell bin ich gelaufen? Denn eine Uhr trägt Lotte nicht. Bewusst nicht. Sie will sich überraschen lassen. In der Küche an der Pinnwand hat sie ihre Zeiten notiert. Und in den Ergebnislisten, die am nächsten Tag in der Zeitung veröffentlicht sind, alle interessanten Teilnehmer gelb markiert.

Lotte und Piet sind meist vor ihrem Vater im Ziel. Und nehmen ihn dort dann in Empfang? „Nee, dann holen wir uns erst Äpfel und anschließend Tee.“

Für ihre Mutter ist die Teilnahme am Ossiloop mindestens so anstrengend wie in den zwei Jahren zuvor, als sie selbst mitgelaufen ist. Diesmal hat sie den Fahrdienst übernommen. Der will gut organisiert sein. Denn nicht nur ihre eigene Familie ist im Auto, das sieben Personen Platz bietet. Auf der Hintour herrscht noch gespannte Ruhe.

Den Läufertrupp mit den Sicherheits(ab)fragen „Habt ihr den Zeitmesschip am Schuh? „Habt ihr genug getrunken?“ am Start abgesetzt, legt sie auf dem Weg zum Ziel noch einen Zwischenstopp ein. Fragt vorher die Einsatzkräfte der Feuerwehr, wo dafür der verkehrstechnisch günstigste Punkt ist. „Ich schaffe es dann, Lotte und manchmal auch noch Piet an der Strecke abzuklatschen.“ Für ihren Mann bleibt keine Zeit mehr. Denn die braucht sie, um rechtzeitig im Ziel zu sein.

Das ist heute in der Leeraner Fußgängerzone. Es ist ein Zieleinlauf, auf den sich die Janssens freuen. „Dort ist es gemütlicher als in Bensersiel“, sagt Jann Janssen. Von Bensersiel auf dem Deich Richtung Esens zu laufen hat für Piet aber auch was: „Das finde ich faszinierend. Da sind die Schatten so schön lang.“

Aber auch die Aurich-Etappe hat ihm und seiner Schwester Spaß gemacht. Die vielen Zuschauer an der Strecke. Um die landschaftlichen Reize der Umgebung aufzunehmen, dafür haben sie dann aber kein Auge mehr. Zum Beispiel um die Mühlen auf der Etappe von Holtrop nach Bagband zu zählen. „Man muss sich zu sehr darauf konzentrieren, wer vor einem läuft“, sagt Jann Janssen.

Das selbst gesteckte Ziel haben die Drei bereits erreicht
Ihre selbst gesteckten Vorgaben haben alle Drei bereits erreicht. „Mein erstes Ziel war es, nicht unter den letzten 50 zu sein“, sagt Lotte. Das konnte sie schon nach der ersten Etappe abhaken. „Ich hab dann zu ihr gesagt, du schaffst das unter die ersten 1000“, so Piet. Das war auch sein Maßstab: „Weil ich ja nicht so viel trainiert hab.“

Lotte belegt vor der letzten Etappe in der Gesamtwertung Platz 481, ihr Bruder 807, ihr Vater 1332. „Auf der letzten Etappe will ich aber noch mal Gas geben“, sagt Piet. „Noch mal alles rausholen was geht“, hat sich seine Schwester vorgenommen.

Gespannt sind beide schon auf die Farbe, die das Ossiloop-T-Shirt in diesem Jahr haben wird. Vielleicht dunkelgrün? Oder weiß/grau? Lotte freut sich aber nicht nur auf den verdienten Preis für getane Laufarbeit, sondern auch auf eine leckere Bratwurst.

Quelle: Ostfriesische Nachrichten – 15. Mai 2015