Abiparty: „Alle wollten nur noch feiern“ (ON-Artikel)

Abiparty: „Alle wollten nur noch feiern“ (ON-Artikel)

Nach der anstrengenden Zeit vor dem Abitur genossen die Absolventen und ihre Freunde die Party in Westerende
Aurich. Abi und dann? Feiern! – so lautete das Motto für rund 1200 Schüler der IGS Aurich-West, der Berufsbildenden Schulen Aurich sowie des Gymnasiums Ulricianum. Gemeinsam mit ihren Freunden feierten sie beim „Abi Open Air“ am Sonnabend in Westerende und im Carolinenhof Aurich ihre bestandenen Abiturprüfungen.

Vor der Party war Geduld gefragt. An der Kasse bildeten sich zeitweise lange Schlangen.

Vor der Party war Geduld gefragt. An der Kasse bildeten sich zeitweise lange Schlangen.

Doch auch für die Zeit nach der Feierei haben die frischgebackenen Abiturienten einen Plan – zumindest die meisten. Während es für die einen in eine Ausbildung geht, wollen andere die Zeit nach der Schule für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nutzen. Einige treibt es fort aus Ostfriesland an einen Studienort innerhalb Deutschlands oder für ein Jahr „Work and Travel“ oder als Au-pair ins Ausland. Die Freundinnen Maria Janßen, Doreen Antkowiak, Lisa Dieken, Ilka Eckhoff und Katharina Ubben werden die gemeinsamen Pausen am Ulricianum vermissen, aber sie freuen sich auf mehr Selbstständigkeit – sei es in der Ausbildung oder im Studium. Ob sie die richtige Entscheidung für ihre berufliche Zukunft getroffen haben, wissen sie noch nicht. „Ich habe mich an meinen Hobbies orientiert“, beschreibt Katharina Ubben ihre Entscheidung für eine Ausbildung. „Ich möchte ein kreatives Studium machen. Was genau weiß ich noch nicht“, sagt Maria Janßen. Wie ihr geht es vielen. Studieren ja, aber was? „Es ist gut, Schwerpunkte in der Oberstufe zu wählen. Ich hatte das sprachliche Profil. Aber was nützt mir das? Was kann ich mit Sprachen überhaupt anfangen?“, fragt sich Lina Berger vom Ulricianum. „Wir wurden in der Schule nicht über die Möglichkeiten, die wir haben, aufgeklärt. Das hätte ich mir gewünscht“, so Lina Berger weiter.

Die Freundinnen Katharina Ubben (von links), Lisa Dieken, Doreen Antkowiak, Ilka Eckhoff und Maria Janßen werden die gemeinsamen Pausen am Auricher Gymnasium Ulricianum vermissen.

Die Freundinnen Katharina Ubben (von links), Lisa Dieken, Doreen Antkowiak, Ilka Eckhoff und Maria Janßen werden die gemeinsamen Pausen am Auricher Gymnasium Ulricianum vermissen.

 

Maria Janßen nutzte das Angebot der Agentur für Arbeit, und dennoch fällt ihr die Wahl schwer. „Es müsste einem gezeigt werden, was man mit welchem Studium anfangen kann“, sagt Lina Berger. Genau wie viele andere, wird sie die neu gewonnene Freizeit bis zum Studienbeginn im Oktober dazu nutzen, sich zu orientieren. Für einige endet die Freizeit bereits Anfang August beziehungsweise Anfang September mit dem Beginn einer Ausbildung oder eines FSJ. „Ich werde Kinderkrankenschwester“, sagt Laura Saathoff. Auch Fabian Knoth und Simon Pichler freuen sich auf ihre Ausbildung zum Elektrotechniker und KFZ-Mechaniker. „Ich freue mich auf die Ausbildung und natürlich darauf, Geld zu verdienen“, sagt Fabian Knoth.

Simon Pichler (links) und Fabian Knoth freuen sich auf ihre Ausbildung.Fotos: de Vries

Simon Pichler (links) und Fabian Knoth freuen sich auf ihre Ausbildung.Fotos: de Vries

Für Tilko Trebesch geht es erst einmal ein Jahr nach Amerika oder Kanada bevor er ein Studium der Sportwissenschaften in Köln anstrebt. „Ich möchte meine Sprachkenntnisse aufbessern“, erklärt der Abiturient. Auch ihm fehlten Informationen zur Berufsorientierung. „Broschüren oder so wären gut. Vielleicht auch Infogespräche an der Schule“, so Trebesch.

Tilko Trebesch geht ins Ausland. Lena Voß muss noch ein Jahr zur Schule gehen.

Tilko Trebesch geht ins Ausland. Lena Voß muss noch ein Jahr zur Schule gehen.

 

Für viele rückte die Zukunft in den Hintergrund
Keno Cassens freut sich auf eine neue Zeit mit einem neuen Leben. „Das ist ein neuer Abschnitt“, sagt Cassens. Er wird ab Oktober in Köln Sport und Sonderpädagogik studieren. „Ich habe bereits eine Ausbildung. Für mich war klar, dass ich Lehrer werden möchte“, so Cassens. Mit einem Lächeln blickt er seinen Freunden von der BBS II hinterher. „Die drei Jahre waren genau richtig, um sich kennen zu lernen und neue Freundschaften zu schließen“, beschreibt er den Wechsel an die BBS.

Die Rapper Hustensaft Jüngling und Medikamenten Manfred heizten den Gästen der Abifete in Westerende ein.

Die Rapper Hustensaft Jüngling und Medikamenten Manfred heizten den Gästen der Abifete in Westerende ein.

Für viele rückte die Zukunft am Sonnabend aber in den Hintergrund. Nach den Anstrengungen der letzten Wochen und dem Warten auf die Noten wollten alle einfach nur feiern und die Freiheit genießen. Auf einer Wiese in Westerende kehrte die Abifete zurück ins Freie. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen wurde ab 16 Uhr neben der Tischlerei Smid gefeiert. Musiker wie das Berliner Duo „Die Atzen“ und der österreichische Rapper „Money Boy“ sorgten für gute Stimmung. Aber auch „Knallfrosch Elektro“ und „Generation Lost“ aus Aurich heizten ihrem Publikum ordentlich ein, bevor es nach Mitternacht für die Abiturienten in den Auricher Carolinenhof ging, wo verschiedene DJs auflegten.

Die Veranstalter setzten erstmals auf eine Kombination aus Indoor- und Outdoor-Party, sodass sowohl „typische Clubgänger“ als auch „Freiluftliebhaber“ auf ihre Kosten kamen. Das Konzept kam bei den Abiturienten gut an, nicht jedoch die zusätzlichen Kosten für einen Bus-Shuttle. „Das ist mal was anderes“, sagt Alexandra Meyer. „Das Geld für den Bus ist nicht so gut“, so Fabian Knoth. „Ob zwei Locations wirklich notwendig sind, ist fraglich“, sagt Maria Janßen.

Quelle: Ostfriesische Nachrichten – 29. Juni 2015