ON: „Schüler drängen aufs Auricher Gymnasium“

ON: „Schüler drängen aufs Auricher Gymnasium“

Bislang 256 Neuanmeldungen für die fünften Klassen am Ulricianum

Von Rebecca Kresseund Heino Hermanns
Aurich. Die Eltern haben sich in diesem Jahr für die Gymnasien entschieden. Das Auricher Gymnasium wird im kommenden Schuljahr mit neun fünften Klassen starten. 256 Schüler haben sich bisher am Ulricianum angemeldet. Schulleiter Dieter Schröder rechnet damit, dass die Zahl noch auf mindestens 260 steigen wird. Im vergangenen Jahr waren es 232 Schüler, davor 230. Der Trend geht also trotz des Ausbaus der integrierten Gesamtschulen (IGS) deutlich hin zum Gymnasium und auch zur Realschule, wie die ON am Mittwoch berichteten.

„Die Eltern haben uns ihr Vertrauen geschenkt“, sagte Schröder. Es habe sich gezeigt, dass am Ende der Elternwille ausschlaggebend für die Entwicklung der Schullandschaft sei und nicht ein Schulentwicklungsplan, der „schon nach zwei Jahren überholt“ sei, so Schröder. Im Schulgutachten des Landkreises, das im vergangenen Jahr vorgestellt worden war, war Gutachter Wolf Krämer-Mandeau (Biregio) noch von 225 Schülern für das Ulricianum ausgegangen.

Den Schülerströmen, so die Forderung von Schröder, müssten nun „Investitionsströme des Kreises“ folgen. Es werde schwierig sein, die Schüler unterzubringen. Denn obwohl der Kreis in den vergangenen elf Jahren rund zehn Millionen Euro in den Umbau und Anbau des Gymnasiums investiert hat, reichen diese Kapazitäten nicht mehr aus.

Ein Grund dafür: Die Außenstelle des Gymnasiums in Moorhusen – dort waren pro Jahrgang rund 50 Schüler untergebracht – wird zu den Sommerferien geschlossen. Diese Klassen müssen jetzt auch noch in Aurich untergebracht werden.

Damit schwebt erneut das Damoklesschwert der Containerunterbringung über dem Ulricianum. Wenn die Räume nicht reichen, könnte es sein, dass, wie schon einmal, einige Klassen in Containern auf dem Schulhof unterrichtet werden müssen. „Das kann passieren“, sagte Schröder.

Schröder: Ich will
gute Leute haben,
aber die sind weg

Neben der Frage um ausreichende Räume steht auch noch infrage, ob die Schule überhaupt genügend Lehrkräfte für das kommende Schuljahr bekommt. Schon jetzt fehlen zahlreiche Lehrerstunden. „Ich will gute Leute haben, aber die sind weg. Der Markt ist leergefegt“, sagte Schröder.

Das Problem dürften auch einige andere Schulen im Landkreis Aurich haben. Auch deren Anmeldezahlen liegen jetzt vor.

 

Eltern wählen wieder „alte“ Schulformen

Von Rebecca Kresseund Heino Hermanns
Anmeldezahlen für fünften Jahrgang in 2015/16 zeigen: Gymnasien und Realschule klare Gewinner / Inklusion löst Verunsicherung aus
Aurich. Eines ist schon jetzt deutlich: Die Gymnasien und die Realschule, also die klassischen Schulformen des abgeschafften dreigliedrigen Schulsystems, sind die klaren Gewinner der Anmelderunde für das kommende Schuljahr. Und das, obwohl an einigen Schulen die Anmelderunde erst heute Nachmittag endet. Das geht aus den Zahlen hervor, die der Landkreis Aurich den ON auf Nachfrage mitteilte.

Am Gymnasium Ulricianum in Aurich werden künftig noch mehr Rucksäcke stehen – 256 Fünftklässler sind bereits angemeldet. Foto: Banik

Am Gymnasium Ulricianum in Aurich werden künftig noch mehr Rucksäcke stehen – 256 Fünftklässler sind bereits angemeldet. Foto: Banik

Wie berichtet, startet die Realschule Aurich mit mindestens 95 Schülern in den neuen fünften Jahrgang. Das bedeutet, es gibt vier fünfte Klassen. Im Vorjahr waren es drei. Das Gymnasium wird neunzügig, weil sich schon jetzt 256 Schüler am Ulricianum angemeldet haben (siehe auch Seite 1).

Am Ulrichsgymnasium in Norden endet die Anmelderunde heute Nachmittag. Absolute Zahlen gibt es erst danach. Fest steht aber schon jetzt, dass der neue fünfte Jahrgang mit mindestens sechs Klassen an den Start gehen wird. „Werden es mindestens 181 Schüler, gibt es auch eine siebte Klasse in Jahrgang fünf“, sagte Schulleiter Wolfgang Grätz den ON. Im vergangenen Jahr waren es 193 Fünftklässler.

Integrierte Gesamtschulen verlieren Schüler
Anders sieht der Trend an den integrierten Gesamtschulen (IGS) aus. An der IGS Aurich-West sank die Zahl der gemeldeten Schüler von 196 im aktuellen auf 103 im kommenden Schuljahr. Das liege vor allem an der Beteiligung der Gemeinde Südbrookmerland an der IGS Marienhafe, sagte Renate Erdt, stellvertretende Schulleiterin den ON. „Prozentual gesehen haben wir keine Schüler verloren“, so Erdt.

Auch an der IGS Waldschule Egels sanken die Anmeldezahlen – von 127 vor zwei Jahren über 100 vor einem Jahr auf nun 94. Der Leiter der IGS Egels, Ferdinand Mika, zeigte sich trotzdem zufrieden. „Das entspricht dem langjährigen Mittel, damit werden wir vier fünfte Klassen haben“, so Mika. Im kommenden Jahr werde man an der Waldschule acht Kinder inklusiv beschulen. Das heißt, die Kinder haben einen erhöhten Förderbedarf. „Auch das eine Zahl, die in den vergangenen Jahren stabil geblieben ist“, so Mika.

Die IGS Krummhörn meldet 119 Schüler für das kommende Schuljahr, zuvor waren es 127 beziehungsweise 135 Fünftklässler gewesen.

An der KGS Großefehn liegen bislang 95 Anmeldungen für das kommende Schuljahr vor, sagte Schulleiter Dr. Udo Cronshagen auf Anfrage. „Wir werden zwei Gymnasialklassen, zwei Realschulklassen und eine Hauptschulklasse bilden“, so Cronshagen. Auch der KGS Großefehn mache das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes zur Arbeitsverpflichtung von Gymnasiallehrern zu schaffen. Es fehle ein Lehrer an der Schule. Müssten die Überstunden des vergangenen Schuljahres sofort abgegolten werden, müssten sogar zwei zusätzliche Lehrkräfte eingestellt werden. Diese zu bekommen sei schwer, so Cronshagen. „Das wäre in diesem Jahr dann die dritte Einstellungsrunde“, sagte er. Das bedeute, die besten Bewerber seien schon weg. „Denn auch die anderen Bundesländer haben ihre Einstellungsrunden zum großen Teil bereits abgeschlossen“, sagte Cronshagen.

Überrascht zeigte sich Dieter Schröder, Leiter des Ulricianums, vom Elternwillen in der Gemeinde Südbrookmerland. Bislang habe es an der Außenstelle in Moorhusen durchschnittlich 50 Schüler pro Jahrgang gehabt. „Das waren zwei Klassen“, sagte Schröder. Eigentlich hatte das Kollegium des Auricher Gymnasiums gedacht, es würden künftig weniger Schüler aus Südbrookmerland kommen. „Das Gegenteil ist der Fall“, sagte Schröder.

Es gibt einen regelrechten Schülertourismus
Aus der Gemeinde Südbrookmerland haben sich für das kommende Schuljahr 67 Kinder angemeldet. Alleine aus Moordorf sind es 25 Schüler. „Für die ist natürlich der Standort Aurich interessanter als Moorhusen“, sagte Dieter Schröder. Es zeige sich an diesen Zahlen auch, dass die Eltern dem Gymnasium Ulricianum die Treue hielten. „Das ist ein Vertrauensbeweis für das gegliederte Schulsystem“, sagte Schröder auch angesichts des großen Zulaufs zur Realschule. Im Gegensatz zu Realschulleiter Henning Wissel sei man im Gymnasium allerdings nicht dazu gekommen, einen Sekt aufzumachen.

Wissel, der mit seinen Anmeldezahlen sehr zufrieden ist, berichtet von einem regelrechten Schülertourismus zwischen den Schulen. „Wir haben innerhalb des Schuljahres einen nicht zu verachtenden Schulwechsel“, sagte Wissel. Eltern seien zum Teil mit der Inklusion an den Gesamtschulen und dem Wegfall der Hauptschulen unzufrieden. „Es kommen immer wieder Eltern zu uns, die ihr Kind lieber auf eine klassische Realschule schicken wollen“, so Wissel.

Anders als die Auricher Realschule und die Gymnasien geht es bei der Hermann-Tempel-Gesamtschule Ihlow ums Überleben. Zwar stabilisierten sich die Anmeldezahlen nach dem vergangenen Jahr (78) wieder auf 101, die Schule steht aber vor einem großen Umbruch. Aus der Kooperativen Gesamtschule soll eine Integrierte Gesamtschule werden.

Quelle: Ostfriesische Nachrichten – 25. Juni 2015