Eröffnung der 26. Auricher Wissenschaftstage: „Von der Erotik bis zum absoluten Nichts“

Eröffnung der 26. Auricher Wissenschaftstage: „Von der Erotik bis zum absoluten Nichts“

Am Donnerstagabend sind die 26. Auricher Wissenschaftstage in der Kundenhalle der Auricher Sparkasse offiziell eröffnet worden.

Zunächst wandte sich der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Aurich-Norden, Herr Carlo Grün, an die etwa 400 Interessierten, unter denen sich viele Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer der beiden beteiligten Schulen (Ulricianum und BBS II) befanden. Angesichts der Diversität der anstehenden Vorträge im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage lautete das Motto „Von der Erotik bis zum absoluten Nichts“. Herr Grün spannte einen weiten Bogen von der Aufklärung mit Kants Kritik der reinen Vernunft über Max Frischs „Biedermann und die Brandstifter“ bis hin zu unserem Zeitalter von Facebook und Google, aber auch Flüchtlingsproblematik und Demokratieverständnis. Nachdrücklich wies Herr Grün auf die gestiegene Bedeutung der Bildung hin: In unseren unruhiger werdenden Zeiten müssten „sorgsam gepflegte Bequemlichkeitspositionen aufgegeben und Bildung nicht nur als Recht, sondern als Pflicht verstanden werden!“, rief er den Anwesenden zu.
Für den Förderverein der Auricher Wissenschaftstage sprach Herr Dr. Klotter, der sogleich mit einem guten Rat an die Sparkasse überzeugen konnte. Die Investition mit den besten Renditeaussichten sei nämlich diejenige in die Bildung junger Menschen: „Wer sich heute vorbereitet, dem gehört das Morgen!“ Er hob folgerichtig insbesondere das Stipendiatenprogramm der Auricher Wissenschaftstage hervor, das nicht nur im positiven Sinne dazu nütze, jungen Menschen einen Einblick in die vielfältige Welt der Wissenschaft zu geben, sondern auch Möglichkeiten zur Umorientierung biete, wenn ein Stipendiat oder eine Stipendiatin beispielsweise feststellen müssen, dass er bzw. sie sich die Arbeit an einem bestimmten Institut anders vorgestellt habe. Herr Dr. Klotter ließ es sich nicht nehmen, den Organisatoren der Auricher Wissenschaftstage zu danken. Herr Völckner, Herr Antony und Frau Groen wurden mit warmem Applaus für ihre herausragende Arbeit gewürdigt.
Im Anschluss präsentierten zwei Stipendiaten des Ulricianums (Tammo Denkena und Julian von Lilienfeld-Toal) und zwei Stipendiatinnen der BBS II (Insa Bohlen und Imke Neelen) interessante Eindrücke, die sie während ihrer Zeit an den Max-Planck-Instituten in Bonn (Radioastronomie) bzw. Berlin (Molekulare Genetik) gewonnen haben.
Es schloss sich der eigentliche Hauptvortrag des Abends an: Herr Professor Dr. Dr. h.c. Thomas Mettenleiter, Präsident des Friedrich-Loeffler-Instituts, wandte sich mit seinem Vortrag über „Neue Erreger bei Tier und Mensch“ an die gespannten Zuhörer. In einer kurzweiligen, bisweilen charmant-lustigen Art gelang es Prof. Mettenleiter, die Arbeit seines Instituts nachvollziehbar zu machen. Zunächst erläuterte er die Herkunft des Institutsnamens, dieser stammt nämlich von dem Begründer der Virologie (Virusforschung), dem ehemaligen Assistenten des bekannteren Nobelpreisträgers Robert Koch, der seinerseits für die Bakteriologie verantwortlich zeichnet. In einem geschichtlichen Exkurs stellte Prof. Mettenleiter die Verdienste Loefflers heraus, der nicht nur die Existenz von Viren mit der damals hochmodernen Methode der Filtration nachgewiesen hat, sondern auch das heutige Institut mit seinem Namen auf der Mecklenburgischen Insel Riems begründet hat.
Im Anschluss erläuterte Prof. Mettenleiter die Aufgaben der Bundesforschungsanstalt für Tiergesundheit, das von der Presse gerne mit negativen Attributen versehen wird, wenn sein Standort, die Insel Riems, beispielsweise als einer der zehn gefährlichsten Orte der Welt bezeichnet wird. Mittlerweile ist das Forschungszentrum für etwa 300 Millionen Euro modernisiert worden und es ist erst das dritte Institut weltweit, das auch Großtiere unter höchster Sicherheitsstufe analysieren kann. Herr Prof. Mettenleiter konnte sich mit der Bezeichnung „Alcatraz für Viren“ schon wesentlich eher anfreunden als mit den zumeist reißerischen übrigen Schlagworten für das Forschungszentrum.
Im Folgenden führte Prof. Mettenleiter die Arbeit des Instituts anschaulich an bekannten und unbekannteren Krisenbeispielen aus. So erläuterte er Ausbruch und Verbreitung verschiedener Tierseuchen, die auch auf den Menschen übergegriffen haben: SARS, BSE, Schweinegrippe, Ebola und ganz aktuell Zika. Hierbei verwies er darauf, dass 26% aller Todesfälle auf Infektionskrankheiten zurückzuführen sind und jährlich etwa 4,3 Mrd. Infektionserkrankungen zu beklagen sind. Ein besonders aktives Jahr für die Bundesforschungsanstalt war 2006. Während in Deutschland Sommermärchenzeit herrschte, schlug sich das Friedrich-Loeffler-Institut mit Vogelgrippe und Blauzungenkrankheit herum.
Zum Abschluss erläuterte Prof Mettenleiter noch den Begriff des „Vektors“, der für Virenüberträger wie Mücken verwendet wird. Mithilfe des auch unter Bürgerbeteiligung laufenden „vector monitoring“ können Migrationen verschiedener Mückenarten nachvollzogen werden und so Bedrohungslagen bestimmter Krankheiten, die von diesen Mücken übertragen werden, eingeschätzt werden. Der Professor forderte die Anwesenden augenzwinkernd dazu auf, bei Sichtung eines vermeintlich neuen Exemplars von Mücke, dieses ohne den Einsatz einer Fliegenklatsche und nicht plattgedrückt im Briefumschlag einzusenden. Wer sich näher informieren möchte, kann dies auf der Seite http://www.mueckenatlas.de/ tun.
Für den kurzweiligen und unterhaltsam interessanten Vortrag gab es lang anhaltenden Applaus und zum Abschied auch ein kleines Präsent. Diese gelungene Auftaktveranstaltung hat Appetit auf mehr gemacht.

 

Text: Jürgen Ploeger-Lobeck

Bilder: Niklas Bohlen, 9C

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Mehr über die Auricher Wissenschaftstage ist hier zu finden: http://www.auricher-wissenschaftstage.de

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Alle Artikel über die Auricher Wissenschaftstage befinden sich hier.

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