Wissenschaftstage: Zivilisationskrankheiten im Lichte der Evolution des Menschen

Wissenschaftstage: Zivilisationskrankheiten im Lichte der Evolution des Menschen

Am vergangenen Montag fand im gut besuchten Güterschuppen der dritte Vortrag der diesjährigen Auricher Wissenschaftstage statt.
Den Anfang machte ein Stipendiatenbericht der Schülerinnen Alexandra Löbker und Jana Bilanovic, welche im Oktober 2015 ein sehr interessantes zweiwöchiges Praktikum am Max-Planck-Institut für Immunbiologie und Epigenetik absolvieren und damit einen einmaligen Einblick in die Forschungsarbeit derartiger Institute werfen durften. Sie erzählten den Zuschauern von der Eigenetik als relativ neues Forschungsfeld und stellten ihre Projekte dar.
Unter dem Titel „Zivilisationskrankheiten im Lichte der Evolution des Menschen“ fand daraufhin der Hauptvortrag des Abends durch Herrn Prof. Dr. Torsten Schöneberg vom Institut für Biochemie der Universität Leipzig statt. Auf eine sehr verständliche und sympathische Art und Weise stellte Schöneberg Zusammenhänge zwischen heutigen Zivilisationskrankheiten und dem Wandel des Menschen von seiner Urform hin zur Gegenwart her.
So seien viele Zivilisationskrankheiten evolutionär begründet. Der Mensch an sich habe sich nicht wirklich weiter entwickelt, denn die Masse und Größe des Gehirns seien nicht anders als bei den Neandertalern. Lediglich die durchschnittliche Körpermasse des Menschen habe deutlich zugenommen, was mit den neuen Lebensumständen des Menschen zusammenhinge.
So habe der Mensch im Urinstinkt verwurzelt, süße, salzige oder auch saure Lebensmittel ohne Grenzen einnehmen zu wollen, da diese damals begrenzte Güter waren und sehr viel Energie brachten, welche die Menschen brauchten, um ihren täglichen Energiebedarf abzudecken. Es galt die Devise, wenn Energie vorhanden war, musste diese eingenommen werden.
Damals sei ein guter Ausgleich zwischen Energiebedarf und Energieeinnahme gegeben gewesen, während dies heute in einem Ungleichgewicht steht. So sei der Energiebedarf der Menschen heute geringer als damals, aber die Einnahme im Vergleich zum Bedarf viel höher. Durch die Erfindung des Rades konnte der Mensch sesshafter werden und muss sich viel weniger bewegen, um an Nahrung zu kommen. Zu damaligen Zeiten war die Beschaffung der benötigten Energie ein täglicher Kampf, welcher dazu führte, dass die ganze Energie, die eingenommen wurde, auch wieder umgewandelt wurde. So kämen laut Schöneberg zum Beispiel die Krankheiten der Fettsucht oder Diabetes zustande, sowie die derartig hohen BMIs, welche zu damaligen Zeiten undenkbar gewesen waren.
Auch habe sich die Ernährungspyramide quasi umgedreht, da damals eher Proteine am meisten eingenommen wurden, weil sehr großer Fleischkonsum vorlag, während es heute die Kalorien sind, die durch die stark getreidehaltige Nahrung konsumiert werden.
Schöneberg begründete in seinem Vortrag unter anderem auch die Autoimmunkrankheiten/Allergien oder den Krebs im Lichte der Evolution und zeigte den interessierten Zuschauern Zusammenhänge auf, die zum Nachdenken anregten.
Zusammengefasst erfüllte Schöneberg also die anfangs von ihm aufgestellte Aufgabe, die Zuschauer nicht deprimiert, sondern nur etwas nachdenklich aus dem Vortrag zu entlassen, da ihnen gezeigt wurde, dass Zivilisationskrankheiten durchaus ihre Ursprünge in der Evolution des Menschen und den darin verankerten Instinkten haben und man nicht für alle Zivilisationskrankheiten unbedingt durch den eigenen Lebensstil selbst verantwortlich ist.