Vortrag im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage: „Die Erotik der Macht“

Vortrag im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage: „Die Erotik der Macht“

Prof. Dr. Ulrich Pfisterer vom Institut für Kunstgeschichte der LMU München hielt am Abend des 14.03.2016 im Güterschuppen des Ulricianums einen Vortrag mit dem Titel „Die Erotik der Macht. Natur und Herrscherkörper in der Frühen Neuzeit“.

 

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Gespannt wartete das Publikum auf den Vortrag.

 

Den Auftakt der Veranstaltung bildeten einige Einblicke, die zwei Stipendiatinnen Der BBS 2 während ihres zweiwöchigen Praktikums am Max-Planck-Institut in Florenz gewonnen haben.

 

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Herr Prof. Dr. Pfisterer vom Institut für Kunstgeschichte der LMU München

 

Herr Prof. Dr. Pfister leitete seinen Vortrag mit einem ganz besonderen Gemälde ein: Hans Makarts „Einzug Karls V in Antwerpen“. Das Gemälde hat mit knapp 10 Metern Länge und gut 5 Metern Höhe fast schon gigantische Ausmaße. Es war zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung im späten 19. Jahrhundert eine Sensation. Einerseits passte die Thematik zum noch jungen deutschen Kaiserreich, andererseits sorgte die Nacktheit der Karl begleitenden Damen beim dargestellten Einzug für einen handfesten Skandal. Im Folgenden stellte Prof. Dr. Pfisterer Detailbeobachtungen aus der fraglichen Epoche (frühes 16. Jahrhundert) in mehreren Darstellungen heraus, durch die klar wird, dass Königseinzüge in eroberten Städten tatsächlich häufig so dargestellt wurden, dass leicht bekleidete oder nackte Frauen zu sehen sind. Eine zulässige Deutung ist, dass bereits seit der Antike die Städte sich metaphorisch in Gestalt von Jungfrauen der Stärke und Potenz des Eroberers beugen bzw. hingeben. In dieser Tradition ist auch das Gemälde Makarts zu sehen. Analoge Darstellungen der sich hingebenden Jungfrau finden sich in Büchern, Gemälden, sogar auf bemalten Tellern. Im Spiegel dieser passiven, unterlegenen Rolle ist die quasierotische Potenz des Herrscherkörpers zu verstehen. (Ein lesenswerter Artikel zu diesem Gemälde findet sich unter folgendem Link).

 

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Hans Makarts Gemälde „Einzug Karls V. in Antwerpen“

 

Im zweiten Kapitel ging Herr Prof. Dr. Pfisterer auf den Herrscher als Liebeswerbenden ein. Als Quintessenz bot er die Theorie an, dass das Werbende, das Liebende, das Jugendliche und die Zurschaustellung dieser Eigenschaften als Wert an sich gesehen wurden.

 

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Herr Prof. Dr. Pfisterer erklärt gestenreich.

 

Im dritten Abschnitt wandte sich Herr Prof. Dr. Pfisterer Ambivalenzen in der Darstellung von Herrschern zu. Es gehört mittlerweile schon zu unseren Sehgewohnheiten, dass Herrscher sehr häufig mit ihrem realitätsnahen Kopf, aber gleichzeitig auch mit einem „Idealkörper“ in Bildern oder Statuen dargestellt wurden. Die zahlreichen beeindruckenden Beispiele sprachen für sich. Die Ambivalenz dieser Darstellungen wird später von politischen Karikaturen ausgenutzt, um die Herrschenden ob der Diskrepanz zwischen Ideal- und tatsächlichem Körper der Lächerlichkeit preiszugeben.

 

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Albrecht Dürer wirkt fast wie ein lebensechter Gast bei den Wissenschaftstagen.

 

Die Faszination der Menschen beim Thema „Erotik der Macht“ besitzt eine erstaunliche Kontinuität bis hin in unserer Zeit, denn auch heute interessieren wir uns für die Liebschaften zwischen Cleopatra und Caesar, Monica Lewinski und Bill Clinton, Sarkozy und Bruni. In diesem Zusammenhang sorgten die beiden letzten vorgestellten Bilder für Schmunzeln im Publikum: das eine zeigte den russischen Präsidenten Putin zu Pferde, das durchaus in der Tradition der Darstellungen von der Erotik der Macht gesehen werden kann. Zum guten Schluss zeigte Herr Prof. Dr. Pfisterer augenzwinkernd eine Fotomontage desselben Bildes mit dem Kopf von Kanzlerin Angela Merkel, welches das Satiremagazin „Titanic“ einst veröffentlichte.

 

 

 

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