ON: Der Club der jungen Journalistinnen

ON: Der Club der jungen Journalistinnen

Die „Blende“-Redaktion (von links) ist Frauensache: Hannah, Johanna, Svenja, Anna, Stephanie und Talea (hinten, nicht im Bild: Maje Coordes). Foto: Rittmeyer

Die 13-jährige Svenja Nanninga hat die frühere Schülerzeitung „Die Blende“ des Auricher Gymnasiums zu neuem Leben erweckt.

Aurich. Hochkonzentriert sitzen die Mädchen an ihren Rechnern im „Bahnanum“. Die altgediente Redakteurin von den Ostfriesischen Nachrichten nehmen die Siebtklässlerinnen zunächst kaum wahr – so vertieft sind sie in ihre neue Schülerzeitung. Älteren Absolventen des Auricher Gymnasiums ist sie als „Die Blende“ in Erinnerung. Die war bis in die 1990er Jahre absoluter Kult unter den Ulricianern. Jetzt hat die 13-jährige Svenja Nanninga das legendäre Schülerorgan wiederbelebt.

Das Printheft im handlichen DIN-A-5-Format bleibt allerdings tot. In der neuen Blende kann man in langweiligen Unterrichtsstunden nicht herummalen. Der Druck würde in Zeiten des Internets nur unnötige Kosten verursachen. Die Schülerzeitung ist unter der Adresse blendeblog.wordpress.com Die „Blende“-Redaktion (von links) ist Frauensache: Hannah, Johanna, Svenja, Anna, Stephanie und Talea (hinten, nicht im Bild: Maje Coordes). Foto: Rittmeyer zu finden.
Nicht nur das Medium, auch die Inhalte haben sich verändert: Strotzte „Die Blende“ vor 30 Jahren noch vor (eher links orientiertem) Revoluzzer-Geist und tiefgreifender politischer Themen, so fragt sie heute nach Lieblings-Pizza und dem schönsten Schulgebäude. Nun sind die Jung-Redakteurinnen mit zwölf und 13 Jahren auch wirklich noch sehr jung. Außerdem haben die Schülerinnen erst vor einem Monat mit dem Projekt begonnen und sind noch in der Findungsphase.
Auch journalistisch ist das Team um „Chefredakteurin“ Svenja unbedarft. Wie man einen Bericht im Unterschied zu einer Reportage verfasst, Kommentar und Glosse definiert oder ein Interview aufbaut – damit haben sich die acht jungen Damen noch nicht weiter beschäftigt. Im Kunstunterricht von Maria Faour sollten sie eine Aufgabe im Zeitungsstil bearbeiten. Dabei tat sich Svenja mit ihrem Bericht besonders hervor – und die Idee der Schülerzeitung war (wieder-) geboren. Die 13-Jährige weiß nämlich eines ganz genau: Sie will Journalistin werden. „Das ist schon sehr lange mein Traumberuf“, sagt die Siebtklässlerin. So ist sie nicht nur Initiatorin der neuen Schülerzeitung, sondern auch dessen informelle Chefredakteurin – auch wenn sie sich mit dem Status nicht schmücken mag. Svenja liest in ihrer Freizeit viel, vor allem Zeitung. Und sie schreibt gern und viel. Damit hat die 13-Jährige schon einmal die besten Voraussetzungen für den Redakteursberuf.
Zeitunglesen ist bei ihren Kolleginnen zwar nicht so angesagt, aber Lesen allgemein und Zeitungmachen. Im Gegensatz zu den jungen Herren des Ulricianums. „Von den Jungs wollte noch keiner mit einsteigen“, sagt Johanna Lohmann. Die schreiben nicht so gern, meint sie.
Das Schreiben ist hingegen für Hannah Wessels ein großer Spaß. Sie will ihren Wortschatz erweitern und später zwar nicht Redakteurin, sondern Lehrerin werden.
Maje Coordes scheint ebenfalls die besten redaktionellen Voraussetzungen mitzubringen: „Ich bin eine Niete in Mathe und hasse Pink. Außerdem schreibe ich sehr gern Geschichten“, stellt sich Maje auf der Blende-Internetseite vor. Beim realen Fototermin mit den ON konnte die passionierte Comiczeichnerin nicht dabei sein. Talea Diekmann ist gut in Mathe. Die 13-Jährige erfindet deshalb, zusammen mit Stephanie Lam, gern die Rätsel für die Schülerzeitung.
Mit Anna, die sich aufs Fotografieren fokussiert, ist die Personalstruktur in der Redaktion komplett. Nun bleibt abzuwarten, ob die jungen Reporterinnen mehr als leichte Unterhaltung und Pizza-Umfragen auf die Beine stellen werden.
Es muss ja nicht gleich eine achtseitige Anleitung zur Masturbation sein. Die sorgte vor einem Vierteljahrhundert für Aufruhr am Ulricianum. Die Lehrer liefen damals durch alle Klassenzimmer und beschlagnahmten (fast) jedes Exemplar.