Theaterkritik „Dantons Tod“, 31.8.2016 in der Stadthalle

Theaterkritik „Dantons Tod“, 31.8.2016 in der Stadthalle

Am Mittwoch, den 28.08. wurde das Theaterstück „Dantons Tod“ in der Stadthalle von der Landesbühne Wilhelmshaven aufgeführt. Da das Drama von Georg Büchner Pflichtlektüre für das Abitur 2017 ist, nutzten viele Oberstufenschüler der Auricher Schulen die Möglichkeit, die Erinnerung an die Dramenhandlung noch einmal aufzufrischen. Dementsprechend war die Zusammensetzung des Publikums. Über die Hälfte waren Schüler, der Rest setzte sich aus ihren Lehrern und zahlreichen Senioren zusammen. Der erste Teil des Stückes begann pünktlich um 19.30 Uhr und sorgte gleich zu Anfang für eine Überraschung. Das Theaterstück begann nicht wie erwartet mit der klassischen Inszenierung des Dramas. Stattdessen wurde die fiktive, moderne Quizshow „Wer wird Revolutionär?“ von den Schauspielern aufgeführt. Dabei spielte das Team Danton, zu dem auch die Nationalfigur der Französischen Revolution Marianne gehörte, die die Freiheit symbolisiert, gegen das Team Robespierre, Dantons Erzrivale, mit Marie Antoinette als Unterstützerin. Für jedes Team wurde ein „Freiwilliger“ aus dem Publikum ausgewählt, in diesem Falle ein Lehrer und eine Lehrerin aus Aurich. Wer nach drei Runden der Quizshow die meisten falschen Antworten hatte, wurde guillotiniert. Das Spiel würde also damit enden, dass entweder Danton oder Robespierre seinen Kopf verliert. Weder Danton noch Robespierre, die jeweils beide hinter einer nachempfundenen Guillotine am Rande des Bühnenbildes saßen, bekamen von dem Spektakel etwas mit, weil ihnen Kopfhörer aufgesetzt wurden. Die Quizshow begann: Fragen der Revolution mussten beantwortet, Bilder erraten und pantomimische Darstellungen richtig interpretiert werden. Ab und an durfte ein nachgestellter Georg Büchner ausschweifende Kommentare über die Französische Revolution anmerken. Er wurde jedoch von der Quizshow-Moderatorin schnell wieder in den Hintergrund gedrängt. Nach drei Runden Quizshow mit ganz viel Tamtam, was unter anderem auch der überschwänglichen Stimme der Moderatorin geschuldet war, verlor das Team Danton ganz knapp. Es hieß also: Weg mit Dantons Kopf! Aber noch während die Schneide der Guillotine auf den Kopf des Danton-Darstellers hinabsauste, erloschen schon die Lichter der Bühne und die Pause begann, nach gerade einmal knapp über 30 Minuten „Theater“. In der Pause gingen bereits die ersten Diskussionen darüber los, ob der Rest des Stückes, das erst um 22.00 Uhr enden sollte, der anfänglichen Quizshow ähneln werde und ob der eigentliche Inhalt des Dramas überhaupt Teil des Theaterstückes sein werde. Zwanzig Minuten später saßen alle wieder auf ihren Plätzen und nun hieß es abwarten, um zu sehen, was die Landesbühne aus Büchners Klassiker machen würde. Um zunächst die positiven Aspekte der Aufführung zu nennen: Es gab an diesem Abend tatsächlich eine Inszenierung von „Dantons Tod“, die sich an dem Inhalt des Originals orientierte: Der politische Machtkampf zwischen den beiden Anführern der Französischen Revolution Danton und Robespierre stand klar im Mittelpunkt. Allen im Publikum anwesenden angehenden Abiturienten war es also möglich, ihre Erinnerung an das im Unterricht bereits gelesene Drama „Dantons Tod“ aufzufrischen. Auch glänzten viele Darsteller, vor allem der des Danton, mit einer exzellenten schauspielerischen Leistung und waren in der Lage, den großen Akteuren der Revolution auf authentische Weise Leben einzuhauchen. Nun zu den, unserer Meinung nach, weniger gelungenen Punkten. Allen voran die Quizshow zu Beginn der Aufführung, die die Zuschauer zum Lachen bringen sollte, ihnen jedoch bestenfalls ein Schmunzeln entlocken konnte. Ab und an wurden auf der Bühne kleine Filmchen auf eine Leinwand geworfen, die das nachgestellte zornige französische Volk auf der Straße zeigen sollten. Doch hier passten weder Setting noch Darsteller in irgendeiner Weise zusammen. Zu den uniformierten Soldaten der Französischen Revolution gesellten sich Menschen mit Baseballcaps und die Renault- Bullis der Landesbühne. Außerdem machte diese versuchte Abwechslung mit den Filmchen das Theaterstück auch nicht kürzer, schließlich gab es zwischen acht und zehn Uhr nicht eine einzige weitere Pause mehr. Wie auch in dem Original-Drama kam die Erotik im Theaterstück nicht zu kurz. Etwaige Anspielungen gab es zur Genüge und diese waren so bildlich und eindeutig, dass sie beim Zuschauer Unbehagen hervorriefen. Außerdem gab es eine Vielzahl von anderen Szenen, deren Sinn dem Publikum gänzlich verschlossen blieb. Da wären zum Beispiel ein betrunkener Danton und sein Komplize Lacroix, die minutenlang mit hochrotem Kopf nur unverständlich Vokale ins Publikum lallen. Nach der im Stück vorkommenden Gerichtsverhandlung um Danton und seine Anhänger fordern diese das Publikum eindringlich auf, aus Solidarität zu ihnen aufzustehen und zwar so lange, bis sich eine große Mehrheit der Zuschauer auch tatsächlich erhebt. Dann gab es noch Robespierre, der allen Ernstes versuchte, dem Publikum in nur einem Durchgang die französische Nationalhymne, die Marseillaise, beizubringen und deshalb jeden zum aktiven Mitsingen aufforderte – natürlich erfolgslos. Wie bereits erwähnt war das Theaterstück voll von Szenen mit eindeutigen bildlichen, erotischen Anspielungen, doch das „Highlight“ war eindeutig die Szene, in der Danton nachts von Albträumen über die Septembermorde heimgesucht wurde. In dieser Minuten lang andauernden Szene präsentierte sich der Darsteller Dantons splitterfasernackt auf der Bühne, auch hier ohne ersichtlichen Grund. Trotz schauspielerisch guter Leistung und eines netten Bühnenbilds schwächelte diese Inszenierung des Theaterstücks „Dantons Tod“ also an einigen Stellen. Bei einem Preis von 6,50 Euro für ein Schülerticket kann man aber nicht groß meckern.

geschrieben von: Wiebke Stedler, Silke Kahmann, Maike Hirsch (de709)