ON: Wunsch: Pädagogen statt mehr Computer

ON: Wunsch: Pädagogen statt mehr Computer

Direktor des Auricher Gymnasiums Ulricianum steht dem Förderprogramm für digitale Bildung skeptisch gegenüber

Aurich. Natürlich sind mehr digitale Lehrmittel wünschenswert, aber es muss auch jemand da sein, der damit unterrichtet: Dieter Schröder, Direktor des Auricher Gymnasiums Ulricianum, betrachtet daher das geplante Förderprogramm des Bundes mit Skepsis. Bis 2021 sollen fünf Milliarden Euro an den deutschen Schulen für den Breitbandausbau, PCs und andere Geräte investiert werden (die ON berichteten).

Schröder lehnt das nicht grundsätzlich ab, sagt aber: „Mehr Personal wäre mir deutlich lieber.“ Denn während Unterricht auch ohne Notebooks und digitale Tafeln möglich ist, sind genügend Lehrer eine absolute Notwendigkeit.

Laut Schröder gab es am Ulricianum ein Pilot-Projekt mit einer Notebook-Klasse. Dieses wurde 2012 aber wieder eingestellt. „Wir haben den Versuch ausgewertet, die Schüler haben weder besser noch schlechter mit dem PC gelernt“, sagt der Direktor. Dennoch räumt er ein, dass sich innerhalb der letzten Jahre viel in Sachen Technik getan hat und völlig neue Programme auf dem Markt sind, mit denen vielleicht andere Ergebnisse erzielt werden könnten.

Schröder hält den verstärkten Einsatz von internetfähigen Endgeräten für auch problematisch: „Wir haben etwa 100 PCs im Haus. Wenn mit vielen davon gleichzeitig das Internet genutzt wird, merke ich in meinem Büro sofort, dass das Internet langsamer wird.“

Er zweifelt daran, dass die Breitbandversorgung in Aurich ausreichend wäre, wenn alle oder ein großer Teil der 1800 Ulricianum-Schüler gleichzeitig den Internetzugang nutzten. Hinzu kommen die Schüler anderer Bildungseinrichtungen in Aurich. Daher glaubt der Direktor, dass zunächst der Breitbandausbau vorangetrieben werden müsste, damit das Programm für digitale Bildung ordentlich umgesetzt werden kann.

Außerdem sagt Schröder, dass Informatiklehrer ein knappes Gut sind. „Bevor es so ein Programm gibt, sollten die Lehrer dafür gestellt werden. Das Land bildet aber kaum Informatiklehrer aus, sagt Schröder.

Dass Lehrer ohne das passende Studium die digitale Bildung übernehmen, hält er nur unter bestimmten Voraussetzungen für sinnvoll: „Es müsste eine einheitliche Fortbildung geben, so dass nicht jede Schule ihr eigenes Süppchen kocht“, so der Schuldirektor.

Die Erstellung eines Konzepts für die digitale Bildung ist die Bedingung des Bundes an die Länder, um am Fördertopf beteiligt zu werden, wie Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) am Mittwoch sagte.

Ähnliche Bedenken wie der Direktor des Auricher Ulricianums äußerte auch der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger. Er sagte unter anderem, dass finanzielle Mittel sinnvoller für die Sanierung maroder Schulgebäude und für die Leseförderung eingesetzt werden könnten. Bei der Lesekompetenz deutscher Schüler gebe es massive Defizite, sagt Meidinger. Für das von dem Verband angestrebte Förderprogramm würde bereits ein Prozent der für die digitale Erziehung bereitgestellten Fördersumme genügen.

Text und Bild: ON vom 17.10.2016 (VON ANN-KATHRIN STAPF)17