ON: Wo Latein noch gesprochen wird

ON: Wo Latein noch gesprochen wird

Stellvertretender Ulricianums-Schulleiter begrüßte Teilnehmer des Niedersächsischen Altphilologentages in Aurich standesgemäß

Aurich. Standesgemäß hat Rüdiger Musolf die Teilnehmer des Niedersächsischen Altphilologentages in Aurich begrüßt – nämlich in lateinischer Sprache. Musolf ist stellvertretender Schulleiter des Auricher Gymnasiums Ulricianum, in dem am Freitag der Landestag der Latein- und Griechischlehrer stattfand. Zahlreiche Teilnehmer aus den Schulen und Studienseminaren sowie Vertreter der Universitäten und des Kultusministeriums Niedersachsen waren zu diesem Anlass nach Aurich gekommen, heißt es in einer Mitteilung der Schule.

Lehrer der Fächer Latein und Griechisch in Niedersachsen finden sich in regelmäßigen Abständen zu einem Landestag ein, um über Entwicklungsperspektiven in der Fachdidaktik und Fachmethodik der klassischen Sprachen zu diskutieren. Die Teilnehmer diskutieren Fragen vor dem Hintergrund aktueller Veränderungen und Herausforderungen, „wie der zunehmend heterogenen Klassen und Lerngruppen“, heißt es.

Musolf erklärte, dass die Fächer Latein und Griechisch in der Tradition der 360-jährigen Geschichte des Ulricianums fest im Bildungskanon des Gymnasiums verankert sind. Die Sprachen hätten „einen entschiedenen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung vieler Generationen von Schülern geleistet“.

In deutscher Sprache erläuterte Musolf dem Fachpublikum die laut Mitteilung „für die gesamte Region Ostfriesland einzigartige Einbindung der dritten Fremdsprache in die Stundentafel“. So werde zum Beispiel die dritte Fremdsprache nicht wahlfrei, sondern als Wahlpflichtsprache angeboten. So habe der Verbindlichkeitswert der Sprachen als Qualitätsmerkmal der Schule einen festen Kern.

Als Vertreter des Ministeriums sprach Dr. Christian Stock. Er gab Impulse für eine Neuausrichtung des altsprachlichen Unterrichts – ausgehend von dem Zitat „tempora mutantur et nos mutamur in illis“ (die Zeiten ändern sich und wir ändern uns in ihnen). Denn: Die Schülerzahlen gingen laut Mitteilung der Schule generell zurück, und die Schülerklientel verändere sich. Stock gab zu verstehen, „dass im Zentrum des altsprachlichen Unterrichts die Vermittlung der Wurzeln unserer europäischen Identität und Werte einer humanitären Gesellschaft stehen“. Den wissenschaftlichen Vortrag über „Kommunikation und Weltbezug in der griechischen und römischen Dichtung“ unter der Fragestellung „Was ist poetisches Sprechen?“ hielt Prof. Dr. Kloss aus Heidelberg. Anhand ausgewählter Beispiele aus den großen griechischen und römischen Epen, der Ilias und Odyssee Homers sowie der Aeneis Vergils, zeigte er Mechanismen des Textverstehens und der Leserlenkung auf.

Zur Eröffnung des Landestages begrüßte der Vorsitzende des Niedersächsischen Altphilologenverbandes, Stefan Gieseke, die Teilnehmer. Er erläuterte den Bildungswert der beiden altsprachlichen Fächer Latein und Griechisch am Gymnasium.

 

Text und Bild: ON vom 9.11.2016