Einblick in ostfriesische Geschichte: Schülerpreis 2016

Einblick in ostfriesische Geschichte: Schülerpreis 2016
Bereits in der Einleitung erfährt der Leser, dass er vieles noch nicht weiß. Es bleibt ihm lediglich die Hoffnung, dass dieses nach dem Lesen der ausgezeichneten Facharbeiten von Freya Thöle und Tabea Kampen anders wird. Und er wird nicht enttäuscht. Der Zusammenhang des Martin Luther Zitats „“Et Frisia quoque petit ministros verbi“ und Katharina Wasa erschließt sich dem Leser beim Lesen der Facharbeit Tabeas während Freyas Leser  einen kritische Antwort auf die Frage finden wird, ob es einen Zusammenhang zwischen dem katholischen Glauben und dem Nationalsozialismus im Oldenburger Münsterland gegeben hat.

Tabea Kampen gewinnt Schülerpreis für ostfriesische Kultur und Geschichte

 

Darüber, dass beide Schülerinnen von der Ostfriesischen Landschaft ausgezeichnet worden sind, haben wir bereits berichtet (http://www.ulricianum-aurich.net/2016/12/tabea-kampen-gewinnt-schuelerpreis-fuer-ostfriesische-kultur-und-geschichte). Die Auszeichnungen haben sich die Beiden verdient, denn Sprache, Formalia sowie Inhalt bei beiden Facharbeiten weisen eine hohe Qualität auf, bei der auch die Mühe, die Freya und Tabea sich gegeben haben, deutlich wird. Ein exzellentes Beispiel auch für zukünftige Facharbeiten also!
Tabea Kampen, deren Facharbeit den Titel „ Frauen der Reformation in Ostfriesland: Katharina Wasa – Nur eine herrschsüchtige, intolerante und rücksichtslose schwedische Königstochter an der Seite des Grafen Edzard II. in der konfessionalisierenden Phase der Reformation? Versuch einer Neubewertung“ trägt, überzeugte die Jury und bescherte Tabea den mit 500 € dotierten Schülerpreis der Ostfriesischen Landschaft.
„Die Facharbeit von Tabea Kampen hat die Jury aus unterschiedlichen Gründen in höchstem Maße überzeugt. Sie hat stellenweise die Propädeutik hinter sich gelassen und bewegt sich auf wissenschaftlichem Niveau. Sie hat relevante Literatur einschließlich lateinischer Texte aus vier Jahrhunderten auf souveräne Weise nicht nur berücksichtigt, sondern auch von einem
autonomen Standpunkt kritisch gewürdigt. Am Ende gelangt sie zu einer eigenständigen Position in der Bewertung der Person Katharina Wasas, die durchaus in der weiteren wissenschaftlichen Diskussion Bestand haben kann.“ begründet Herr Dr. Rolf Bärenfänger, Direktor der Ostfriesischen Landschaft und Vorsitzender der Jury, die Entscheidung seines Teams.
Tabeas Arbeit ist in zwei Abschnitte unterteilt: Im ersten geht es um die Entwicklung der Reformation in Ostfriesland, während der zweite Teil sich der Persönlichkeit von Katharina Wasa widmet. Dort erklärt Tabea die Bewertung von Katharina Wasa und die Position der bewertenden Historiker. Sie analysiert nicht nur überlieferte Quellen, sondern bezieht auch handschriftliche Bemerkungen von Katharina Wasa in ihrer Lutherbibel mit ein. Durch diese handschriftlichen Bemerkungen, die sie in der Emder Ausstellung der Lutherbibel fand, kam ihr die Idee zu dieser Arbeit. Ihre abschließende Beurteilung umfasst mehrere Perspektiven und ist auf wissenschaftlichem Niveau, auch weil sie sich sogar an die eigenständige Forschung getraut hat.

Auch Freya Thöle ist eine der 5 ausgezeichneten Preisträgerinnen. Das  Thema ihrer Facharbeit ,,Verankerung des Nationalsozialismus in der Bevölkerung – ein Vergleich der benachbarten Regionen Ostfriesland und Oldenburger Münsterland“ hat ihr ein Gespräch mit den Großvätern, die aus Ostfriesland und dem Oldenburger Münsterland stammten, beschert. Freya stellte sich die Frage, ob der Nationalsozialismus sich unterschiedlich entwickelt hat und die Konfession eine Rolle dabei spielte und fing an, die beiden Regionen miteinander zu vergleichen. Dazu bezog sie unter anderem die Konfession, die Ergebnisse der Reichstagswahlen und die Wirtschafts- und Sozialstruktur im Deutschen Reich mit ein. Sie kam zu dem Schluss, dass der Nationalsozialismus nie eine große Chance im Oldenburger Münsterland gehabt hat und  der katholische Glaube dabei eine zentrale Rolle gespielt hat. Ihre eingangs gestellte These sah sie am Ende der Facharbeit bestätigt. Freyas Tipps für zukünftige Facharbeiten-Schreiber: früh genug mit der Facharbeit anfangen und sich auch früh genug die Materialien, z.B. in der Landschaftsbibliothek besorgen.
Außerdem ist Freya sehr froh, dass Herr Lüngen sie zunächst beim Erstellen der Facharbeit betreut hat und sie dann auch auf den Wettbewerb aufmerksam gemacht hat. So sei die Mühe, die sie  in die Facharbeit gesteht habe, auch ausreichend gewürdigt worden und ihre Ergebnisse seien nicht dazu verdammt, in der Schublade zu verstauben.

Haben wir euch neugierig gemacht? Die Facharbeiten der beiden Preisträgerinnen findet ihr hier: http://www.ostfriesischelandschaft.de/1779.html

und zur gesamten Laudatio der Jury gelangt ihr über diesen Link…

http://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/Dokumente/Schuelerpreis/2016_Laudatio_Kampen.pdf

Wie gratulieren beiden Preisträgerinnen, die die Auszeichnung wahrlich verdient haben.

Text: Beate Grojsman und Pia Jacobs