Finde den Fehler – Wie unser Gehirn Vorhersagen prüft

Finde den Fehler – Wie unser Gehirn Vorhersagen prüft

Den Fehlern auf der Spur. Unter diesem Motto gab Dr. Stefan Dürschmid von der Universität Magdeburg im Rahmen der Auricher Wissenschaftstage einen Einblick in die komplexen Strukturen des Gehirns. Doch was versteht man unter einem Fehler? Dies erläuterte Dr. Dürschmid zunächst anhand mehrerer Beispiele. So verdeutliche der Ausspruch seines Sohnes „Papa, der Mann hat ja lange Haare“, dass das Gehirn mit Modellen und Abweichungen davon arbeite.
Jeder Mensch wird durch seine Umwelt geprägt und entwickelt für die unterschiedlichsten Situationen Erwartungen über deren Ausgang. Hat der Junge bislang nur kurzhaarige Männer kennengelernt, so stellt er mit seiner Aussage eine Abweichung vom Modell fest. Damit das Gehirn solche Fehler erkennt, ist ein komplexes Zusammenspiel der verschiedenen Areale des Gehirns notwendig. Eine besondere Bedeutung kommt dabei den Neuronen zu, die die Signale im Gehirn transportieren. Von denen hat der Mensch 50-100 Milliarden. Dürschmid spricht von einem System, das die Neuronen bilden. Über eine elektrische Aktivierung senden sie ein spezifisches Signal aus und die Abweichungen von Erwartungen (z. B. der langhaarige Mann unter Kurzhaarigen) werden hierarchisch sortiert. Das Bild von einem Säbelzahntiger löst so zunächst den Reiz der Gefahr aus. Durch die Information „Der Säbelzahntiger in Aurich“ wird dieser Reiz jedoch unmittelbar wieder relativiert, da es sicherlich sehr unwahrscheinlich ist, in Aurich einen lebendigen Säbelzahntiger anzutreffen. Am Institut für Neurobiologie, wo Dr. Dürschmid forscht, wird untersucht, wie das Gehirn auf derartige und andere Reize reagiert. Dafür verwenden die Wissenschaftler in verschiedensten Experimenten sehr aufwändige Technik. Ein wichtiger Bereich ist dabei beispielsweise die Forschung über Alzheimer, eine Krankheit, bei der man das Gedächtnis und kognitive Fähigkeiten verliert, weil Zellen im Gehirn absterben. Vor dem Hintergrund des Zellsterbens wird die Bedeutung eines Fehlers noch deutlicher.
Der Fehler als eine Abweichung, die wir nicht vorhersagen können! Da jeder Mensch, jedes Gehirn einzigartig ist, haben wir an diesem Abend sicherlich gelernt, dass Fehler nicht gleich Fehler ist und unser Gehirn dafür in kürzester Zeit ganze Arbeit leistet.

 

Text: BR, Bilder: Lisa Weinstock (Jg. 11)