Jürgen Kaube über „Populismus und Charisma“ bei den Auricher Wissenschaftstagen

Jürgen Kaube über „Populismus und Charisma“ bei den Auricher Wissenschaftstagen

Am 16. Februar diesen Jahres, gab sich Jürgen Kaube, Herausgeber und stellvertretender Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die Ehre und hielt einen Vortrag über die Theorie Max Webers zum Populismus, bzw. der „charismatischen Herrschaft“. Zuvor informierte Tabea Kampen über Ihr Stipendium im Zuge der Auricher Wissenschaftstage. In seinem anderthalb Stündigen Vortrag erläuterte er in einem sehr intensiven Vortrag die Grundgedanken Webers zur Herrschaft. Nach diesem existieren drei Gründe, aus denen Menschen bereit sind zu gehorchen, bzw. drei Legitimationen der Herrschaft:

  1. Die Legale Herrschaft: Nach Weber hat ein Mensch, welcher aus diesem Grund gehorcht, die Vorstellung, dass der Befehlende bzw. die Instanz, der er gehorchen soll, über die Nötigen Voraussetzungen hierfür verfügt. Diese Voraussetzungen setzten sich erstens aus der Vorstellung, dass diese Autorität rational, zweckrational oder wertrational orientiert ist, zweitens, dass die Legitimation der Instanz Nachweisbar oder Zurückführbar auf einen Vertrag, Ausweis etc. ist und drittens, dass auch die Instanz, die befiehlt, sich an dieses Recht hält, zusammen. Kaube erläuterte diese Herrschaft bzw. Form des Gehorsams am Beispiel eines Polizisten, der einen Platzverweis ausstellt.
  2. Die Traditionelle Herrschaft: Diese beruht darauf, dass ein Mensch aus traditionellen Gründen gehorcht. Nach Weber kann sie auf zwei Weisen ausfallen. Einerseits als Gerontokratie, in welcher der Älteste einer Gruppe die Herrschaft aufgrund seiner Erfahrung mit den Traditionen und der Geschichte der Gruppe inne hat. Als zweites, kann sie aber auch als primärer Patriarchalismus ausfallen. Nach diesem herrscht ein Einzelner nach der Erbfolge, wie es in Monarchien beispielsweise der Fall war bzw. immer noch ist.
  3. Charismatische Herrschaft: Diese Form der Herrschaft nach Weber war der Hauptteil des Vortrags von Kaube. Nach Weber ist es in dieser Form einem Einzelnen möglich, durch charismatische Fähigkeiten einen bestimmten Kreis von Bekannten (im aktuellen Beispiel auch Beispielweise bei einer Rede auf einem Parteitag) allein durch rhetorische Mittel oder Ausstrahlung von seiner Person zu überzeugen. Hierbei ist zu bemerken, dass einerseits keinerlei Regeln existieren, aber andererseits auch die Herrschaft vollkommen vom Charisma der Person abhängt. Verfällt das Charisma, so verfällt auch der Herrschaftsanspruch, die Menschen würden dem Herrschenden also nicht mehr gehorchen/folgen. Die ausführende Person versucht diese charismatische Herrschaft langsam in eine traditionelle Herrschaft umzuwandeln, um so eine längerfristige Garantie der Macht zu erlangen. Gelingt dies nicht, verfällt die Herrschaft mit der Person. Diese Form der Herrschaft, welche nicht auf normativen oder rationalen Gründen wie die anderen basiert, sondern allein auf der Redekunst oder Ausstrahlung einzelner Schlüsselpersonen, lässt sich, so eine der These Kaubes, auf den heutigen Populismus übertragen.

Nach seinem sehr ausführlichen und informativen Vortrag beantwortete Kaube noch Fragen aus dem Publikum über verschiedene Themenfelder seiner Präsentation. Es lässt sich mit Sicherheit sagen, dass dieses Thema und Webers dritte Theorie über Herrschaft noch in Zukunft aktuell sein wird und demnach höchstwahrscheinlich auch in Zukunft öffentlich behandelt werden wird.

 

 

Jürgen Kaube, Herausgeber und stellvertretender Leiter des Feuilletons der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Tabea Kampen informiert über ihr Stipendium im Rahmen der AWT

Ein gutes Team, das für einen interessanten Abend gesorgt hat. Herzlichen Dank!

„Populismus und Charisma“

 

Text: Konstantin Musolf

Bilder: Niklas Bohlen