Projektwoche – Gedanken einer Lehrerin

Projektwoche – Gedanken einer Lehrerin

Das also war sie, die erste Projektwoche am Ulricianum seit mehr als zwanzig Jahren. Na endlich. Denn Lernen ist mehr als das, was zwischen zwei Buchdeckel passt. Mehr als Versetzungskonferenzen und Zentralabitur. Lernen ist mehr. Es ist auch Leben.

Es waren bunte Tage. Selbstgebastelte Drachen stiegen aus dem Innenhof empor, gigantische Seifenblasen schwebten umher, verkleidete Menschen probten Theateraufführungen, die „Opfer“ des Sanitätsdienstes wurden blutig geschminkt, dass man Angst bekommen konnte. Ein „Escape Room“ wurde vorbereitet, Hunde durch Gänge geführt, Nistkästen gebaut und Plakate gestaltet.

Wir haben ein Buch gemacht. Elf Schüler und ich fassten den Plan, selbstgeschriebene Geschichten in einer kleinen Veröffentlichung zusammenzufassen. Sportlich, sagt Kollege Frank. Oh ja.

Es gab diesen Dienstag, an dem ich bis nachts um eins die Rechtschreibkorrektur sämtlicher Schülertexte vornahm, unterbrochen nur durch das „Pling“ neuer Meldungen in der WhatsApp-Gruppe unseres Projektes. Fragen, Technisches, Organisatorisches, Lustiges. Das ging tagelang so und immer bis in den Abend hinein.

Und es gab diese Schüler, die zuverlässig und kompetent die Dinge anpackten und erledigten. Vorwort, Sätze zu den Autoren, Klappentext, Impressum, Layout, Cover. Ja, das Cover. Es ist von Linette. Ich bin immer noch ganz hingerissen davon, dass jemand so was können kann. Da wurden die interessantesten Grafik-Geräte von zuhause angeschleppt, und zack! – fertig. Super.

Es gab auch meine Zweifel, ob technisch alles klappen würde, denn mit dem Computer geht es mir wie mit dem Autofahren: Ich bin eine reine Benutzerin, aber ich kann beide nicht einrichten, reparieren usw. So stellte ich irgendwann die bange Frage: „Gibt es denn jemanden, der die technische Leitung übernehmen würde?“ Bis zu Trams Meldung vergingen keine zehn Sekunden, und mir fehlen die Worte für die Professionalität und Gelassenheit, mit der sie in den Folgetagen unsere To-do-Listen abarbeitete.

Es gab noch zahlreiche andere Momente, die zu beschreiben hier zu weit führen würde. Kleinere Unzuverlässigkeiten und bisweilen Ärger, aber viel, viel mehr Motivation und Vergnügen, Ernsthaftigkeit und Konzentration.

Und vor allem: Wir haben es geschafft. Man wird unsere Anthologie mit 110 Seiten bald bei Amazon bestellen können. Es ist unglaublich, dass das gelungen ist. Meine Schüler haben damit das perfekte Weihnachtsgeschenk für alle, die ihnen lieb sind, und wir zusammen Großes geleistet. Sportlich eben.

Als ich am Präsentationstag die römischen Mosaike vor dem Güterschuppen liegen sah, der Duft allerlei kulinarischer Köstlichkeiten durchs Foyer wehte und auf der Bühne getanzt  und musiziert wurde, fühlte es sich an wie ein Fest. Das erste Schulfest, das ich am Ulricianum erlebe. Wir für uns. Es muss nicht immer alles in der Zeitung stehen, nach außen schick aussehen, berühmt sein.

Das hat mir gut gefallen, dass wir es waren, für uns. Ich habe auch Eltern und Großeltern gesehen und gesprochen. Wir sind offen für Besucher, das ist klar. Immer. Aber was wir als Schulgemeinde können und wollen und schaffen, das ist auch ohne Curriculum, Behörde und Presse total viel. Jeder von uns ist eigen und besonders. Damit kann man einiges erleben, wenn wir wollen. Es kommt auf jeden von uns an.

Wenn Menschen mit Menschen unter Menschen sind, wenn also Menschen Mitmenschen sind, dann geht viel. Dann geht vieles gut.

Da kann ganz schön viel passieren. Und da kann ganz viel Schönes passieren.

Text und Bilder: Christine Korte