So wird Aurich am kommenden Sonntag wählen – vielleicht:

So wird Aurich am kommenden Sonntag wählen – vielleicht:

Klasse 10f macht Umfrage zur Bundestagswahl

Von Christoph Wilkens

„Kaufe ich auch wirklich keine Waschmaschine, wenn Ich bei der Umfrage mitmache?“ fragte ein besorgter, oder wohl eher humorvoller Auricher Bürger. Er war von Schülern der Klasse 10f angesprochen worden, ob er an einer Umfrage zur Bundestagswahl teilnehmen möchte. Eine Doppelstunde waren die Schülerinnen und Schüler in der Auricher Innenstadt am Freitag, dem 8. September unterwegs. 158 Bürger waren bereit, den Fragebogen auszufüllen, der vorher im Politikunterricht von den Schülern in Eigenregie erstellt worden war. In Dreiergruppen haben die Schüler die Stadt durchkämmt, jedes Team mit 30 Fragebögen ausgerüstet. Dazu hatten sie ein Klemmbrett als Schreibunterlage und eine mit Tesa-Pack versiegelte „Urne“, einen großen Pappkarton, in dem die gefalteten Fragebögen „wie in echt“ gesammelt wurden. Am schnellsten war das Team „Coole Frisuren“, das bereits nach 73 Minuten mit 30 ausgefüllten Bögen zurückkam und dafür mit nahrhaften Vitaminpräparaten belohnt wurde.

In der nächsten Woche folgte die Auswertung, bei der dann nicht alle der angestrebten Ziele erreicht werden konnten. Eigentlich sollten die Umfrageergebnisse für die Gesamtgruppe, aber auch differenziert nach Altersgruppen und Geschlecht ausgewertet werden. Auch sollten Jugendliche befragt werden, die noch nicht wählen dürfen, um deren Präferenzen zu erfassen. Dann musste man sich aber entscheiden, ob man wirklich alles im Detail auswertet, und dann die Umfrage erst nach der Wahl veröffentlicht, oder doch lieber die richtigen Prioritäten setzt… Und das haben wir dann natürlich getan. Hier also die Ergebnisse der Umfrage. Detailauswertungen haben wir nicht geschafft, und die Jugendlichen „durften“ in der Umfrage nun „mitwählen“. Diese Befragung ist natürlich NICHT repräsentativ, dafür ist die Stichrobe zu klein, außerdem die Auswahl nicht zufällig genug (alle Befragten waren in etwa zum gleichen Zeitpunkt in der Auricher Innenstadt). Dennoch sind die Ergebnisse interessant, und wir warten mit Spannung darauf, wie in Aurich jetzt wirklich gewählt wird – um das „echte“ Ergebnis dann mit der Umfrage zu vergleichen.

 

Jetzt also endlich zu den Wahl- äh, nein, zu den UMFRAGEergebnissen. Weiter unten kommen noch Zitate, die die Schüler im Rahmen der Umfrage gesagt bekamen – die reichen von sehr freundlich bis ganz schön heftig. Den Abschluss bilden dann einige Antworten der Schüler auf die Frage: Was hat mir die Umfrage gebracht?

 

Wenn am kommenden Sonntag (gemeint war der 10. September) Bundestagswahl wäre, welche Partei würden Sie wählen?

 

Warum würden Sie diese Partei wählen?

 

Wie bewerten Sie das Parteiprogramm der von Ihnen gewählten Partei?

 

Frage an die Nichtwähler: Warum würden Sie nicht wählen?

 

 

Dann wurde noch gefragt, welche Themen für die Menschen besonders wichtig sind. Hier die Ergebnisse:

 

 

Ganz allgemein gefragt, stellt sich die Zufriedenheit der Befragten mit der Politik insgesamt so dar:

 

 

Hier eine Analyse der Befragten nach Altersgruppen. So setzt sich die befragte Grundgesamtheit von 158 Bürgerinnen und Bürgern zusammen:

 

 

 

Viele der Angesprochenen haben ausgesprochen positiv auf die Initiative der Schüler reagiert. Aber nicht alle. Hier einige Zitate:

„Kaufe ich auch wirklich keine Waschmaschine, wenn Ich bei der Umfrage mitmache?“

„Ach, das ist aber wirklich interessant, die Jugend interessiert sich für Politik?“

Eine Nonne meinte, wir hätten eh nix zu wählen.

„Das ist interessant, wer hat diese Umfrage gemacht? Welche Klasse seid ihr? Ist diese Umfrage wirklich anonym?“

Schüler: „Hallo, haben sie 2-3 Minuten Zeit?“

Dame: „Nein, ich muss zu einem Termin.“ (bleibt stehen, raucht eine Zigarette, beobachtet Enten)

„Von A-Z – alles scheiße“

„Haha, NPD“

„Interessiert mich alles nicht.“

„Wir schaffen das!“

„Bundestag? Geh weg damit!“

„Hör mir auf mit Politik.“

„Ach, interessant.. Wofür macht ihr das?“

„Ich bin Christ, alles ist Gottes Schöpfung und es ist eine Sünde, wenn zwei Männer im Bett nebeneinander liegen, das lehrt uns die Bibel!“

„Ihr könnt froh sein, dass ihr auf dem Gymnasium seid. Ihr bildet euch. Manch‘ andere wissen gar nicht, was Bildung ist.“

„Die letzte Frage ist ziemlich unklug für eine Umfrage.“

Uns wurde von vielen Menschen gesagt, dass sie es toll finden, dass wir etwas Praktisches im Unterricht machen. Zwei Menschen wollten die Umfrage aufgrund des Wahlgeheimnisses nicht machen. Sie sagten, dass sie nicht sichergehen können, dass unsere Umfrage wirklich anonym ist. Außerdem fanden sehr viele toll, dass wir etwas im Unterricht machen, was auch mit der aktuellen Politik zu tun hat – die meisten Personen haben freundlich reagiert und wollten uns gerne unterstützen

Und was sagen die, die die Umfrage durchgeführt haben? Hier einige Zitate aus der 10f:

„Mir hat die Umfrage gebracht, dass ich Erfahrungen darüber sammeln konnte, wie viel Aufwand eine solche Umfrage kostet. Es war aber auch interessant zu sehen, wie die Menschen aus Aurich über die Bundestagswahl denken.“

Naila

„Mich persönlich hat die Umfrage vor allem in Sachen Menschenkenntnis weitergebracht, man hat bei jedem Wähler geraten, welche Partei er/sie wählt und warum.“

Paul

„Ich fand es gut, mal etwas anderes zu machen und es hat Spaß gemacht, die Umfrage durchzuführen und sie anschließend auszuwerten. Dabei habe ich gelernt, wie man am Computer verschiedene Diagramme erstellt und ich fand es interessant zu sehen, wie unterschiedlich Menschen reagieren, wenn man sie fragt, ob sie an einer Umfrage teilnehmen möchten. Außerdem habe ich gelernt, wie viel Aufwand es ist, eine Umfrage durchzuführen.

Wir können gerne öfters sowas machen.“

Leonie

„Das interessanteste an der Umfrage war für mich die Durchführung der Umfrage in der Innenstadt und die Reaktion der Menschen auf die Umfrage allgemein und unseren Fragebogen, da die Reaktionen teilweise sehr unterschiedlich ausgefallen sind: Während manche total interessiert waren und unsere Fragen gerne beantwortet haben, fanden andere unsere Fragen beinahe unverschämt. Gut war auch, dass wir gesehen haben, welche Art von Aufgabentypen wir weglassen sollten, wenn wir nochmal eine Umfrage erstellen. Außerdem hat man das erste Mal gemerkt, wie viel Aufwand, Zeit und gründliche Überlegungen hinter einer Umfrage stecken.“

Jule-Marie

„Mir hat die Umfrage gezeigt, dass viele Leute sich nicht sicher waren, ob die Politik in Deutschland zurzeit gut ist. Deswegen denke ich, dass man vielleicht mal nachdenken könnte, was man verbessern könnte an der deutschen Politik.“

Eva

„Durch die Umfrage mussten wir viele fremde Menschen ansprechen. Oft konnte man an deren Reaktionen merken, wie sie die Umfrage finden und wie sehr sie sich mit dem Thema Bundestagswahlen auseinandersetzen. Außerdem haben wir auch viel Kritik bekommen. Größtenteils positive Kritik. Viele haben uns nach unserer Jahrgangsstufe gefragt und in welchem Fach wir die Umfrage erstellt haben.“

Marje

In der Endauswertung waren sich die meisten Schüler einig, dass der Versuch, die Parteipräferenzen differenziert nach Altersgruppen und Geschlecht auszuwählen, sehr gut sei – auch wenn uns am Ende die Zeit dafür fehlte. Dies fehle bei der Sendung „Politbarometer“, deren Umfragen wir mit der eigenen verglichen haben. In einem weiteren Schritt soll der Redaktion von Politbarometer nun ein Brief geschrieben werden mit einigen Verbesserungsvorschlägen…