Von Versöhnung, Geschichte und viel Gesang: unser Besuch in Westerstede

Von Versöhnung, Geschichte und viel Gesang: unser Besuch in Westerstede

Am 6.09.2017 fuhren die Französischkurse des Jahrgangs 11 und 12 zum Gymnasium Westerstede, um sich eine Lesung mit dem Schriftsteller und Soziologen Azouz Begag anzuhören, dessen Kurzgeschichte „Et tranquille coule le Rhin“ im Unterricht behandelt wurde. Dort geht es um einen jungen Erzähler, offensichtlich Azouz selber, der mitteilt, weshalb er angefangen hat die Sprache Deutsch zu lernen und wie er sie erlernt hat.

Bevor jedoch Azouz Begag seine Geschichte vorstellte, stimmte der Oberstufenchor des Gymnasiums das Publikum mit französischer Musik auf die beginnende Veranstaltung ein. In Begleitung des Klaviers sangen sie unter anderem “ Les Champs-Élysées“, was bis zum Ende hin stark im Kopf blieb.

Der Oberstufenchor singt feierlich auf Französisch

Nach einer Begrüßung seitens des Schulleiters und einer der Organisatoren der Veranstaltung, kam Wiard Raveling, ehemaliger Lehrer des Gymnasiums und Autor des Buches „Ist Versöhnung möglich? Meine Begegnung mit Vladimir Jankélévitch / La réconciliation est elle possible? Ma rencontre avec Vladimir Jankélévitch“, auf die Bühne und hielt einen Vortrag über das Buch.

Wiard Raveling erzählt von seinen Erfahrungen die deutsch-französische Beziehung betreffend

Seit den 80-er Jahren beschäftigt sich Herr Raveling mit dem Thema der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem 2. Weltkrieg und erzählte viel Interessantes darüber. Besonders interessant war der von ihm vorgestellte Briefwechsel mit dem verstorbenen Philosophen Jankélévitch, welcher bis zu seinem Lebensende den Deutschen nicht verzeihen konnte, aber gerührt von Ravelings Brief an ihn war, in dem dieser erkläre, dass auch er sich nicht gut über das damalige Geschehenis, aufgrund der Verbrechen, fühle.

Zum Schluss kam Azouz Begag, begleitet von großem Applaus, auf die Bühne und gespannt wurde die Lesung seiner Kurzgeschichte erwartet.

Azouz Begag bei seinem Vortrag

Doch statt einfach seine Geschichte vorzulesen, trug der Schriftsteller auf belustigende Weise und mit viel Mimik und Gestik den Inhalt von „Et tranquille coule le Rhin“ mit Verwendung von deutschen, englischen, französischen und italienischen Wörtern vor. Indem er zum Beispiel tanzte, wenn er vom Tanzen sprach, oder auf seinen Arm zeigte, sobald es um das „arm Sein“ ging, konnte sein Vortrag problemlos verstanden werden und brachte viel Gelächter. Nicht selten waren auch plötzlich beginnende Singeinlagen, bei denen Azouz Begag unter anderem Zeilen von „I just called to say I love you“ oder „Les Champs-Élysées“ begeistert vorsang. Der Spaß, den er beim Vortragen hatte, ging dadurch auch auf das Publikum über, sodass die Komik zwar manchmal etwas übertrieben wirkte, aber insgesamt die Stimmung erhellte.

Alles in allem war die Lesung ein Nachmittag, der noch länger in Erinnerung bleiben wird. Daher ein großes Dankeschön an die Lehrer für die Organisation und an den VEU für die freundliche Unterstützung!

 

Text: Beate Grojsman, Fotos: Herr Fenderl