Stolpersteine für Familie Wolff verlegt

Stolpersteine für Familie Wolff verlegt

Am 23. Oktober wurden erneut 25 Stolpersteine in Aurich verlegt, und wieder hatte das Ulricianum die Patenschaft für mehrere Gedenksteine übernommen, und zwar für die Stolpersteine für Gisela Gertrud Wolff (Jg. 1926), ihren älteren Bruder Fritz (Jg. 1921) und deren Eltern Jacob und Hertha, geb. Löwenstein.

Die Familie lebte in Aurich am Ostertorplatz 13 und betrieb ein Geschäft im Nachbarhaus. Als die Repressalien durch die Nationalsozialisten immer drückender wurden, schickten Jacob und Hertha zunächst ihren sechzehnjährigen Sohn Fritz in die Niederlande, nach der Pogromnacht dann auch ihre Tochter Gisela.

Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv  – Standort Aurich Rep. 16/1, Nr. 5748. Passbild von Gisela Gertrud Wolff (1926-1943).

Gisela war beim Abschied von ihren Eltern gerade einmal zwölf Jahre alt. Doch die Hoffnung, ihre Kinder im Ausland in Sicherheit gebracht zu haben, erfüllte sich für Jacob und Hertha nicht: Sowohl Fritz als auch Gisela wurden nach der deutschen Besetzung der Niederlande verhaftet und im Lager Westerbork interniert. Von dort aus wurde Fritz am 24. August 1942 nach Auschwitz deportiert, laut den Totenbüchern von Auschwitz starb er am 7. September 1942 im Alter von einundzwanzig Jahren. Gisela wurde am 17. März 1943 von Westerbork aus nach Sobibor verbracht und dort am 20. März vergast. Sie wurde sechzehn Jahre alt.

Auch die Eltern Jacob und Hertha überlebten den Holocaust nicht: Sie mussten Aurich im Februar 1940 verlassen und zogen nach Bremen. Dort wurden sie am 17. November 1941 verhaftet und einen Tag später nach Minsk deportiert. Hier verliert sich ihre Spur, keiner ihrer Verwandten hat nach diesem Tag jemals wieder etwas von ihnen gehört. Am 28. August 1951 wurden beide schließlich für tot erklärt.

Quelle: Niedersächsisches Landesarchiv  – Standort Aurich Rep. 16/1, Nr. 5748. Passfoto von Jacob Isaak Wolff (1887-1941)

An der Verlegung der Stolpersteine wirkten Katie Lin Weekes, Jason Reichel, Danh Nguyen und Vincent Großmann aus dem Geschichtskurs eN 902 sowie ihre Lehrerin Sandra Weferling mit. Ein herzliches Dankeschön geht an Sebastian Berger, der während des gesamten Vormittags mithilfe der Lautsprecheranlage des Ulricianums dafür sorgte, dass die Ansprachen an den einzelnen Verlegeorten gut zu hören waren.

Am 9. November findet übrigens auch in diesem Jahr wieder die „Stolperstein-Putzaktion“ statt: Die Ulricianer putzen die Auricher Stolpersteine und legen Rosen für die Opfer des Nationalsozialismus nieder. Wer mitmachen möchte, melde sich bitte bei Frau Weferling!

Auf dem Bild sieht man den Künstler Gunter Demnig bei der Verlegung der Steine. Er wird von einem Schüler der BBS unterstützt.