Praktikum am Forschungszentrum Jülich

Anika Saathoff  und ich, Inken Schulte, haben vom 01.10.2018 bis zum 12.10.2018 ein Praktikum, das uns durch die Auricher Wissenschaftstage ermöglicht wurde, im Forschungszentrum in Jülich absolviert.

Am Montag reisten wir an und klärten organisatorische  Dinge, wie das Abholen unseres Besucherausweises. Diesen brauchten wir, um das Gelände betreten zu dürfen. Außerdem bezogen wir unser Zimmer im Gästehaus des Forschungszentrums.

Dienstag war dann endlich unser erster Arbeitstag, an dem wir Rattenhirnschnitte einfärben und begutachten durften. Desweiteren lernten wir die Agarosegelelektrophorese und die Vorbereitung auf das Schneiden der Hirnschnitte kennen. Dabei werden die gefrorenen Gehirne solange durch Gefrierkleber auf einen Objekttisch fixiert, bis das

Gehirn ganz mit Gefrierkleber umgeben ist. Der Gefrierkleber stört beim Schneiden des Gehirns nicht, weil er unsichtbar wird.

Bei der Agarosegelelektrophorese werden die Nukleinsäure-Stränge der DNA nach ihrer Größe aufgetrennt, um die Sequenz zu bestimmen.

Nach einem freien Tag aufgrund eines Feiertags durften wir bei einer Positronen-Emissions-Tomographie zuschauen, bei der die Stoffwechselvorgänge einer Maus durch radioaktive Markierung gezeigt werden. Diese Untersuchung musste abgebrochen werden, da es technische Probleme bei der Injektion des Liganden gab. Der Versuch wurde am Freitag wiederholt und dieses Mal lief es jedoch reibungslos ab.

Am Wochenende hatten wir großen Gestaltungsspielraum aufgrund der Nähe zu Köln, Düsseldorf und Aachen. Am Freitagnachmittag besuchten wir in Aachen, wo wir uns z.B. den Aachener Dom anschauten. An den darauf folgenden Tagen setzen wir unser touristisches Programm fort, indem wir uns die Sehenswürdigkeiten von Köln und Düsseldorf ansahen. Um in die Städte Aachen, Köln und Düsseldorf zu gelangen, dauert es auf Grund der zentralen Lage Jülichs nur ungefähr eine Stunde mit dem Zug.

Zu Beginn der zweiten Woche nahmen wir an der Teambesprechung teil und hörten zwei Vorträge zu den Themen: neue Innovationen bei der PET-Untersuchung sowie Evaluation einer Studie über die Auswirkungen von Schlafmangel. Nach dem Mittagessen erhielten wir von unserer Betreuerin eine Führung über den Campus. Der Campus erstreckt bis in den Hambacher Forst hinein. Das Forschungszentrum Jülich hat einen eigenen Wetterturm und eine Klimakammer, die jedes Klima erzeugen kann und damit wichtig für die Forschung ist.

Am Dienstag durften wir wieder selbst praktisch arbeiten, indem wir Gehirnschnitte von einer Ratte mithilfe des Cryostaten angefertigten. Der Cryostat ist ein Kühlgerät, welches niedrige Temperaturen erzeugen und konstant halten kann. Das Gehirn wurde bei -15°C geschnitten, da es sonst auftaut und nicht mehr präpariert werden kann. Danach mussten wir die Schnitte mit einem Objektträger aufnehmen und beschriften. Die fertigen Schnitte wurden dann bei -80°C gelagert. Da die monatliche Überprüfung der Not- und Augenduschen anstand, übernahmen wir diese am Nachmittag.

Am Mittwoch nahmen wir an der Quartalsbesprechung der Arbeitsgruppe teil. Bei dieser wurde über laufende und neue Projekte informiert. Die Arbeitsgruppe plant auch in der Zukunft Grundlagenforschung zu betreiben, damit z.B. die PET-Untersuchungen weiterhin in der Diagnostik angewandt werden können. Es sind viele Studien geplant, bei denen sowohl Tierversuche und als auch menschliche Probanden beteiligt sind, da man nur so die Auswirkungen auf den menschlichen Körper bestimmen kann. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Untersuchung des Schlaf-Wach-Rhythmus des Menschen.

Anschließend besuchten wir den Fachbereich der Histologie. Dort erhielten wir eine umfangreiche Führung. Wir schauten uns verschiedene Cryostaten an und lernten eine neue Schneidmethode kennen. Bei dieser Schneidmethode wird das menschliche Gehirn durch einen wachsartigen Stoff, Paraffin, fixiert. So kann das Gehirn geschnitten oder gelagert werden. Außerdem durften wir uns ein menschliches Gehirn anschauen. Die Gehirne, welche aus Körperspenden stammen, werden nach einer langwierigen Vorbereitung geschnitten, gefärbt und gescannt, damit ein 3D-Modell entworfen werden kann.

Donnerstag stand die Sektion einer Ratte an. Am Nachmittag bekamen wir einen Einblick in die Fluoreszenzmikroskopie. Bei der Fluoreszenzmikroskopie wird ein chemischer Farbstoff verwendet, um bestimmte Teile einer Zelle unter dem Fluoreszenzmikroskop sichtbar zu machen. Zum Abschluss durften wir unsere gefärbten Hirnschnitte mitnehmen.

Das Praktikum war eine tolle Erfahrung, für die wir uns bei den Auricher Wissenschaftstage bedanken möchten, da wir den Bereich der Hirnforschung kennenlernen konnten. Außerdem haben wir den Beruf des Wissenschaftlers als einen sehr interessanten Beruf kennengelernt, da der Beruf abwechslungsreich und vielfältig ist. Im Jülicher Forschungszentrum arbeiten außerdem die Forscher unterschiedlichsten Fachgebiete zusammen an Projekten. Im Institut für Neurowissenschaften und Medizin arbeiten z.B. Biologielaboranten zusammen mit Ärzten und auch Physiker und Chemiker sind an den Projekten beteiligt. Als Wissenschaftler arbeitet man sowohl im Team als auch selbstständig, was natürlich seinen Reiz hat. Allerdings kommt es auch vor, dass Studien abgebrochen werden müssen, was dann einen enormen Rückschlag bedeutet. Trotzdem ist Grundlagenforschung wichtig, da nur so wichtige Erkenntnisse erworben werden konnten und können.

Anika Saathoff und Inken Schulte vor einem Cryostaten

Fertige Rattenhirnschnitte

 

Gefärbte Zellen unter dem Fluoreszenzmikroskop

Text und Bilder:

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