Zehntklässler erkunden jüdische Regionalgeschichte

Ziel der Klasse 10 B des Gymnasium Ulricianum Aurich und ihres Geschichtslehrers Herrn Beyer war am 4.12. das Gröschlerhaus in Jever. Es handelt sich um ein Informationszentrum zur jüdischen Geschichte der Region, welches seit 5 Jahren in Jever besteht, errichtet auf den Grundmauern der 1938 von den Nationalsozialisten zerstörten Synagoge. Ansprechpartner der Klasse 10 B, die im Unterricht den Nationalsozialismus behandelt hat, war Hartmut Peters, ehemaliger Deutsch- und Politiklehrer am Jeverschen Mariengymnasium und Autor etlicher Publikationen zur jüdischen Geschichte Jevers im 20. Jahrhundert.

Peters führte die Klasse über einen kurzen Stadtrundgang zum Gröschlerhaus, um dort die Geschichte der Pogromnacht von 1938 unter anderem auch mithilfe von Audiodokumenten einstiger Zeitzeugen lebendig werden zu lassen. Im Informationsgebäude war neben vielen Dokumenten zur jüdischen Geschichte in Jever auch noch eine zur ehemaligen Synagoge zugehörige Mikwe, ein jüdisches Ritualbad, unter einer begehbaren Glasscheibe zu sehen. Die Schüler lernten, wie Jever sich als einstiges Zentrum des Viehhandels mit Beginn des 20. Jahrhunderts zu einer wirtschaftlich aufstrebenden Kleinstadt entwickeln konnte, in der zwischen 100 und 200 jüdische Mitbürger bis 1933 einen besonderen Anteil am öffentlichen Leben hatten, sei es in der Politik oder in der Wirtschaft.

Bewegend war es, auch in den Audiokommentaren der überlebenden einstigen jüdischen Jeveraner die Phasen der Ausgrenzung und Verfolgung durch die Nationalsozialisten nachzuerleben. Auch ein ganz besonderes Original, der einzige nach dem 2. Weltkrieg nach Jever zurückgekehrte Jude, Fritz Levy wurde durch Hartmut Peters’ Schilderungen und Fotodokumente zu einer schillernden Gestalt, die in den 80er Jahren mit zum Ausgangspunkt einer nachhaltigen Beschäftigung jeverscher Schülerinnen und Schüler mit der „braunen“ Vergangenheit ihrer Stadt geworden war.

Dem Besuch im Gröschlerhaus folgte abschließend ein Gang zum Mahnmal zur Erinnerung an die verfolgten und ermordeten jüdischen Mitbürger, einem Mahnmal, welches für jeden dieser 67 ermordeten Menschen ein symbolisches Buch mit Lebensdaten enthält (s. Fotos)

Text und Fotos: C.O.Beyer

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