Tex Stoffer: „Ein Sturm zieht auf“

Das Weihnachtswarten hat wieder Saison. Es ist Advent. Die Lateiner unter euch wissen, was das bedeutet. Ein Grund mehr für die Klasse 9f, ein kleines adventliches Begleitprogramm für alle ersten Minuten der Deutschstunden bei ihrer Klassenlehrerin zu planen. Er werden Gedichte vorgetragen, so z.B. der Text „Morgen, Kinder, wird’s nichts geben“ des allseits geliebten Erich Kästner. Am 13.12. erfreut der allseits geliebte Klassensprecher Tex Stoffer mit einer selbst verfassten Geschichte, die er gekonnt zum Vortrag bringt, die Gemüter. Ein jeder von uns aus der 9f kann sich darin wiederfinden.

Zwei Fragen allerdings bleiben für mich offen:
1. Wo war Moritz?
2. Warum hatte die Lehrerin keinen Schlitten?

Vielleicht gehört das einfach zu den vielen Geheimnissen, mit denen uns die Vorweihnachtszeit Jahr für Jahr still glänzend umwittert…
Tex wird von uns eindringlich um eine Fortsetzung seiner Geschichte gebeten, denn für uns ist klar: Auch Silvester wollen wir wieder zusammen in jener einsamen Hütte im Wald feiern…

„Ein Sturm zieht auf“ 

Es war einmal in einem weit entfernten Land eine kleine Hütte, hell geschmückt mit Lichterketten und Papiersternen. Schon von Weitem war der Geruch von Zimtsternen zu erschnuppern, doch wer verbarg sich hinter der Holzwand einer kleinen Hütte mitten im verschneiten Tannenwald? Kleine weiße Flocken fielen vom Himmel, welcher von Sternen erleuchtet wurde. Der Halbmond schien hell wie ein riesiger Weihnachtsbaum. Doch genau der fehlte in dieser wunderschönen Hütte und genau deshalb machten sich Sören, ein schüchterner Junge, der sehr traurig darüber war, dass er sein Mofa nicht hatte mitnehmen dürfen, und Frauke, welche eigentlich gar kein Lust hatte, raus zu gehen, weil es ihr viel zu kalt war, auf den Weg, um einen schönen Weihnachtsbaum für die Hütte zu besorgen. Zur gleichen Zeit war Emma, welche sich mal wieder viel zu viele Sorgen machte, dabei, Kekse zu backen. Doch plötzlich machte sie ein schockiertes Gesicht. Lena fragte sie ängstlich: „Emma, was ist los?“. Emma schaut sie an und schrie laut: „Wo ist der Zimt? Ich brauche Zimt! Wie soll ich Zimtsterne ohne Zimt machen!“. Sie ließ alles fallen und rannte wütend die Treppe hoch, welche schon etwas älter war, weshalb sie knirschte, wenn man zu dolle hochlief. Sie wollte Henning beschuldigen, weil er die Einkäufe gemacht hatte. Henning war mit Heiko Müller und Tex in einem Raum mit lauter Weihnachtsmusik, weil sie ihren Auftritt übten. Sie hatten alle drei Weihnachtspullis an, welche in einem gewissen Maße lustig aussahen. Emma öffnete aggressiv die Tür und schaltete die Musik aus. „HENNING! Warum hast du den Zimt vergessen einzukaufen?“, fragte Emma mit rauer Stimme. Henning stand steif wie eine Eisskulptur und sagte nur: „Ich habe Zimt gekauft und die Einkäufe danach an Erik gegeben.“. Emma schaute alle drei mit einem ernsten Blick an, verließ den Raum und rannte mit einer Geschwindigkeit wie niemand anders wieder nach unten. Und da saß er. Erik vollgefressen mit allen möglichen Nahrungsmitteln in seinem Mund. Die leere Zimtverpackung lag auf dem Wohnzimmertisch. Emma zog Erik von der Couch und flüsterte wütend zu ihm: „Du gehst jetzt zum Laden und kaufst mir neuen Zimt!“. Doch Frau Korte, die Lehrerin von dieser chaotischen Klasse, unterbrach sie mitten im Satz und sagte mit strenger Stimme: “Es ist zu gefährlich, wenn Erik allein geht. Emma, du gehst mit ihm mit.“ –  „Aber…“ –  „Nein, kein Aber. Los, ich möchte noch Zimtsterne haben, also beeilt euch“, unterbrach Frau Korte sie wieder. So waren es schon vier, welche nicht mehr in der Hütte waren, aber dies änderte sich sehr schnell. Alle Jungs zogen sich auf einmal ihre dicken Jacken an und liefen aus der Hütte. „Wo geht ihr hin?“, schrie Frau Korte ihnen fragend hinterher. „Wir gehen zum steilen Berg, Schlitten fahren.“ Frau Korte wusste, dass sich jemand verletzen würde, also nahm sie ihre Jacke und ging mit ihnen.

Nun waren also nur noch ein paar Mädchen in der wunderschönen Hütte.  Alle saßen im Wohnzimmer am Kamin. Auf einmal kam Leyla in den Raum und machte einen äußerst deliziösen Vorschlag: „Leute, wer hat Lust auf warmen Kakao mit Marshmallows?“ Sören und Frauke waren mittlerweile schon seit Stunden unterwegs, um einen Baum zu suchen. Die Axt, welche Sören mit hatte, konnte er nicht mehr tragen und die Beine von Frauke taten ihr so weh, dass sie fast nicht mehr laufen konnte.  Sören legte die Axt hin und ließ sich in den Schnee fallen. „Können wir eine kurze Pause machen?“ fragte er mit angestrengter Stimme. Frauke war das ganz recht, also bejahte sie Sörens Frage. So saßen sie beide auf dem gefrorenen und weißen Boden. Ein paar Meilen weiter waren alle bereits genervt von Tex’ Gesang. „Kannst du nicht mal was anderes als Weihnachtslieder singen?“ fragte Mika genervt. Auf einmal schrie Johann laut auf „Schaut da!“ Da war er also, der bekannte Berg. Zentimeter dicker Schnee lag auf dem Boden und Sekunde für Sekunde fielen weitere weiße Flocken auf die weiche Erdoberfläche. Kurz danach nahmen alle ihre Schlitten und rutschten mit Höchstgeschwindigkeit nach unten. „Du kriegst mich nie!“ brüllte Fabian, welcher mit seinem Schlitten ganz vorne war. Durch enge Passagen und durch eng stehende Bäume schossen die Jungs wie Raketen hindurch. Nach zwei Minuten war der Spaß vorbei. Alle lagen am Fuß des Berges im Schnee und lachten. „Wo ist Moritz?“ fragte Lars mit verängstigter Stimme. Alle schauten sich um, doch niemand sah ihn. Im selben Moment kam Frau Korte erschöpft unten an. „Hat es Spaß gemacht?“ fragte sie. „Ja, aber wir haben Moritz verloren…“. Frau Korte wusste, irgendwas würde passieren, und war so wütend auf die Jungs, aber auch auf sich selbst, weil sie sie gehen lassen hatte. Doch welch eine wundervolle Idee kommt von David: „Lasst ihn uns suchen!“

„JA!“ schrieen alle Mädchen. Wer möchte auch keinen heißen Kakao mit Marshmallows? Leyla lief in die Küche. „Schaut her!“ Amke zeigte mit ihrem Finger auf den Fernseher. Sie nahm die Fernbedienung und schaltete den Ton an, um zu hören, was gesagt wurde. „Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau. Hier ist eine Eilmeldung! Ein großer Sturm zieht auf!“ Alle rannten zum Fenster und sahen, wie der Schnee umherflog. Paula versuchte direkt, Frauke anzurufen. Keine Antwort. Auch Carlotta versuchte, Emma anzurufen, aber auch hier keine Antwort. „Sie haben wohl kein Netz im Sturm“, sagte sie. Heldenhaft sagte Malin: „Warum sitzen wir noch, wir müssen sie suchen.“ Doch allen fiel auf, dass dies zu gefährlich war.

Emma und Erik waren am Laden angekommen. Doch warum war es so dunkel? Nur eine kleine Lampe neben dem Eingang leuchtete. Der Laden war geschlossen… „Nein!“ brüllte Emma. Sie fiel auf ihre Knie und fing an zu weinen. „Weihnachten ist zerstört und das alles nur wegen dir!“. Sie stand auf und rannte zu Erik und schubste ihn aus Wut in den Schnee. Erik stand auf und ging zu ihr. „Weihnachten geht doch gar nicht um Zimtkekse, Weihnachtsbäume oder andere schöne Dinge, weil das Schönste, was es gibt, ist, dass wir alle zusammen sind.“ Sagte er ihr mit sanfter Stimme. Doch auf einmal passierte es. Der Schnee flog ihnen um die Ohren. Es wurde auf einmal noch dreimal so kalt und das nur wegen des Sturms. Die Luft war so dicht mit Schnee, dass die beiden nicht mehr viel sehen konnten. Sie versuchten, den Weg, welchen sie nur mithilfe einer Karte gefunden hatten, zu sehen. Emma schrie: „Erik! Wo ist die Karte?“ Er schaute in seiner Tasche nach und bemerkte, dass die Karte nicht mehr darin war.

Auch bei Sören und Frauke war der Sturm ein Problem. Durch die engen Passagen des Waldes rannten die beiden, um den Sturm zu entkommen. Die Lippen der beiden waren zugefroren und es kribbelte ihnen beiden am ganzen Körper. Trotzdem sind beide ehrgeizig weiter gerannt.  Die Jungs der Klasse liefen im langsamen Gänsemarsch in richtig Hütte. Sie hatten starken Gegenwind, aber sie mussten trotzdem noch Moritz finden, weshalb sie sich in kleine Gruppen aufteilten. Johann und Majed hatten sich davongeschlichen, weil sie keine Lust auf die Sucherei hatten und außerdem ein wenig Hunger. Henning und Fabian suchten sehr intensiv, denn sie wollten ihren guten Freund nicht verlieren. Heiko Hannsen war immer noch erschöpft von der Schlittenfahrt und stolz darauf, dass seine wunderschöne Frisur immer noch gut aussähe, wenn er die Mütze abnehmen würde. Julian wollte nur noch nach Hause, weil er fürchterliche Angst hatte und keine Lust mehr auf ewiges Wandern. Im Häuschen war Stille. Alle hatten Angst, dass sie ihre Freunde und Klassenkameraden verlieren würden. Ann Elaine lief im Kreis und überlegte, was die schlaueste Taktik wäre, um allen zu helfen. Wobei Sara nur irgendwelche Leute anstarrte und überlegte, wie sie auch diese Personen in den Schneesturm verhelfen könnte. Die Treppe machte auf einmal Geräusche. Alle drehten ihren Kopf um. „Hey Leute!“ sagte Wiebke, welche gerade geduscht hatte und keine Ahnung von der ganzen Situation. Jessica nahm sie bei der Hand und klärte die Situation auf. Lena ergriff das Wort und sagte: „So Leute, Köpfe beieinander. Was ist unser Plan. Wir können hier nicht nur rumsitzen!“ Die Mädchen diskutierten die ganze Zeit. „Wir müssen rausgehen und sie suchen!“ – „Das ist viel zu gefährlich!“ –  „Wir müssen die Polizei versuchen zu verständigen!“ und noch viele andere Ideen wurden in das Wohnzimmer von einem Haus mitten im Wald gerufen. Moritz kam durch die Tür und sagte:“ Wo sind alle anderen?“. Amke wollte sich eigentlich nur einen Kakao holen, weil Leyla das vorher vernachlässigt hatte, bis sie dann durchs Fenster schaute und der Sturm schon vorbei war. Im selben Moment kamen Sören, Frauke, Emma und Erik rein. Sie hatten sich auf dem Heimweg getroffen und sind zusammen weitergelaufen. Auch alle Jungs kamen durchnässt in das Häuschen rein. Doch diesmal machte Leyla wirklich für alle Kakao. Am nächsten Morgen hatte Mika die Idee, dass doch alle zusammen einen Baum holen könnten. Kurz nach dem Frühstück sagte Frau Korte: „Warum machen wir nicht Rumkugeln ohne Rum?“ Wie in einem Pulk liefen sie alle zusammen in den Wald, um den schönsten Weihnachtsbaum der Welt zu holen. Jeder von ihnen wusste jedoch, Weihnachten ist nicht ein Fest des Materiellen, sondern der Liebe. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Autor der Geschichte: Tex Stoffer, Klasse 9f, 2018

Einleitungstext: Christine Korte

Foto: https://pixabay.com/de/users/cocoparisienne-127419/

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