Zum Tode von OStD a.D. Claus Goldbach

„Wie bei einem Theaterstück kommt es nicht darauf an, wie lange es dauert, sondern wie gut gespielt wird.“ Dieses Zitat aus dem Werk des römischen Philosophen Seneca stellte Claus Goldbach 1996 an den Anfang seines Vorwortes zur Festschrift des Gymnasiums Ulricianum Aurich zu dessen 350. Gründungsjubiläum. Goldbach führte damals weiter aus: „Im Theater bewerten die Zuschauer (…) die Qualität des Spiels, in der Schule (bewerten) die (…) Schüler mit ihren Eltern (das Spiel). Es ist diese Qualität der Stücke und des Spiels, die die Akzeptanz einer Schule wesentlich bestimmt, nicht das Spiel mit Zeiten und Quantitäten.“ Senecas Sentenz und Goldbachs Überlegungen hierzu lassen sich nun auch als Kommentar zu seinem eigenen Leben lesen.

Claus Goldbach…

…setzte seit Beginn seiner insgesamt zwanzigjährigen Amtszeit als Schulleiter des Ulricianums im Jahre 1979 neue und weitreichende pädagogische Akzente. Dazu gehörte ein ungewohnter, für manchen auch irritierender Leitungsstil. Freiheit und Selbstbestimmung sowie eine sich selbst einschließende kritische Reflexionsfähigkeit und -bereitschaft gehörten für ihn zu den zentralen Motiven schulischen Wirkens. Geradezu radikal als für alle am Schulleben Beteiligten gleichermaßen gültig verstand er diese Ideen. Den eigentlich selbstverständlichen Grundsatz, dass die Schüler Zentrum und Ziel schulischer Arbeit sind, brachte er immer wieder aus den verschiedensten Blickrichtungen neu ins Bewusstsein. Goldbach schuf nicht selten höchst unkonventionelle, durchaus den Mut zum Scheitern einschließende Freiräume für engagierte Lehrkräfte und Schüler, in denen zahlreiche unterrichtliche und außerunterrichtliche Projekte mit fachlichen wie auch persönlichkeitsstärkenden Perspektiven gedeihen konnten. Das Ulricianum entwickelte sich dadurch zu einem offenen, dynamischen und auf vielen Ebenen progressiven Gymnasium.

Wurden Goldbachs Visionen einer guten Schule und sein auf Abflachung hierarchischer Denk- und Verhaltensmuster zielendes Konzept der pädagogischen Leitung seinerzeit mitunter als strapaziöse Herausforderungen bei der Bewältigung alltäglicher Anforderungen erlebt, so wirken sie doch langfristig als tragfähige und wirksame pädagogische Ideen bis heute und sind noch immer wesentliche Grundlagen der besonderen Stärken des Ulricianums. Somit kann man Claus Goldbach sicherlich als einen der bedeutendsten Schulleiter in der jüngeren Geschichte des Ulricianums bezeichnen.

Goldbach selbst blieb zeit seines Lebens ein belesener, hoch gebildeter Intellektueller mit Freude am sokratischen, ironischen Diskurs. Am 19. Februar 2019 starb Claus Goldbach im Alter von 83 Jahren.

Text und Foto: StD Rüdiger Musolf

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