Rituale in Corona-Zeiten

Im Religionsunterricht beschäftigen wir uns in der 10f gerade mit Ritualen. Da lag es nahe, für das häusliche Lernen die Frage zu stellen, welche Rituale uns in Corona-Zeiten fehlen bzw. wie sie sich verändern. Hier sind einige der Ergebnisse.

Merksatz zu Ritualen:

Ein Ritual ist ein sich wiederholender Ablauf, der nach festen Regeln mit einer gewissen Regelmäßigkeit stattfindet.

Die Rituale in meinem Alltagsleben haben sich durch die corona-veränderte Situation stark verändert oder fehlen teils sogar.
Signifikant ist dabei, dass ich nun erst merke, wie viele Rituale man erstens in seinem Tagesablauf hat und – vor allem – wie sie aufeinander aufbauen. Der größte Punkt hierbei ist vermutlich die Schule, die aufgrund der aktuellen Ereignisse ausfällt. Sie bietet mir normalerweise Rituale in zwei Gebieten – Schule und Freizeit. Durch sie stehe ich jeden Morgen an Wochentagen zu einem festen Zeitpunkt auf und durchlaufe den immer gleichen Abfolgen, bis ich bei der Schule angelangt bin. Letzteres sorgt dann bis zum Tagesende für Struktur, die momentan gänzlich fehlt. Diese Struktur bietet mir dann wiederum „Platz“ für weitere Rituale, wie den festen dreißig Minuten nach der Schule, wo ich zunächst neue Hausaufgaben anfange. Das schweißt sich bestens mit den Zeitplänen meiner Familie zusammen, wenn es danach zum Beispiel Mittagessen gibt. Doch auch diese Zeitpläne meiner Mitmenschen haben sich verändert, was sich auch auf meine Zeitpläne, somit auf meine Struktur und schließlich auf meine Rituale auswirkt. Darüber hinaus hat das Gehen zur Schule, einem festen Ort mit festen Regeln, im Alltag die Freizeit klar von Arbeit getrennt. Nun ist das nicht mehr so einfach. Selbstverständlich könnte man alle Aufgaben zu regulären Zeiten bearbeiten, nur eben zu Hause. Leider ist es aber – und das geht vielen so – nicht wirklich einfach. Auch mit viel Disziplin kann man nicht so konzentriert, hart und intensiv an Aufgaben arbeiten, wie man es in der Schule könnte. Es fehlt der Austausch mit Mitschülern, der sich auch in der Pause in Form eines regelmäßigen und immer gleichen Zusammenfindens an gleichem Ort zu gleicher Zeit als Ritual äußert. Kleine Rituale, die nicht den ganzen Tag prägen, aber trotzdem relevant sind und nie vergessen werden, sind zum Beispiel das Begrüßen zu jedem Stundenbeginn oder der immer gut schmeckende Kaffee in der Mittagspause. Wenn man nun so darüber nachdenkt, wirkt es so, als würden wir, dank fehlender Rituale, unabhängiger sein. Schließlich hat man nun eigene Entscheidungen zu Handlungen mit selbst bestimmtem Ort und Zeit zu treffen. Es wirkt so, stimmt aber nicht. Denn nun ist man erst wirklich abhängig. Abhängig von oft fehlender Disziplin, abhängig von dem inneren Schweinehund und am schlimmsten: *abhängig vom Zufall*. Denn zurzeit weiß man nie, was morgen ist, wie morgen ist und – wenn man es ganz verpeilt – wann morgen ist.

(Julian Bohlenz)

Durch die derzeitige Corona-Krise fehlen unserem Alltag viele verschiedene Rituale. Dies fängt schon mit den einfachsten Dingen an wie das tägliche „frühe“ aufstehen, um zur Schule zu gehen. Manche Menschen haben ein tägliches Morgenritual, z.B. Um 6 Uhr mit dem Hund rausgehen, das Lesen der Tageszeitung oder das Checken der Social Media Accounts) auch diese können wegfallen bzw. sich verschieben, damit laufen sie nicht mehr nach den eigentlichen Regeln des Rituals ab.
Aber auch Rituale wie jeden Sonntag in die Kirche zu gehen oder das Heimspiel des Lieblings- Fußballvereins fehlen in unserem Alltag. Andere treffen sich wöchentlich mit ihren Freunden/Freundinnen zum Kaffeeklatsch im Café um die Ecke, Jugendliche können ihre Wochenendausflüge mit den Freunden nicht wahrnehmen. Man kann nicht mehr zum wöchentlichen Fußballtraining gehen oder jeden Sonntag mit seiner Laufgruppe im Wald joggen gehen. Rituale wie der Stadtbummel am Wochenende oder das Einkaufen im Supermarkt am Samstag verändern sich, viele Geschäfte in der Stadt haben/hatten geschlossen und im Supermarkt muss man eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, Abstand halten und zwingend einen Einkaufswagen mitnehmen. Diese ganzen Rituale geben unserem Alltag eine gewisse Ordnung, sie erleichtern unseren Alltag oder geben uns bei Dingen, die mal nicht so mitlaufen, Halt. Wenn diese Rituale sich nun verändern oder wegfallen, dann wird ein wichtiger Haltepunkt aus unserem Leben gerissen, der Alltag ist auf einmal ungeordnet und ungeplant. Man liegt auf einmal bis mittags im Bett, lässt das Frühstück ausfallen, man kann seine sozialen Kontakte nicht mehr so gut pflegen oder bleibt auch mal in der Woche bis tief in die Nacht wach und bringt damit seinen Schlafrhythmus durcheinander.

(Heiko Müller)

Erst dachte Ich, dass sich die aktuelle Lage gar nicht so drastisch auf meinen Alltag, auch mit Ritualen, auswirken würde. Jetzt bin ich jedoch der Meinung, dass mir Rituale schon deutlich fehlen.
Ein Ritual, das mir fehlt, ist zum Beispiel das Fußballtraining am Dienstagnachmittag, was mir einfach zur Gewohnheit geworden ist, da ich dieses seit sieben Jahren verfolge, und ich muss sagen, es fehlt mir sehr.
Als nächstes fehlt mir der Kirchgang am Sonntagvormittag. Auch das war ein Ritual, worauf ich nicht immer Lust hatte, aber welches mir trotzdem fehlt.
Außerdem fehlen mir kleinere Dinge, wie z.B. das gemeinsame Frühstück als Familie, was im Moment nicht möglich ist, da meine Eltern arbeiten müssen, wir jedoch zuhause sind. Zu diesen kleinen Sachen gehören auch noch einfache Dinge, wie sich einander die Hand zu geben oder sich einfach mal in den Arm zu nehmen, was ja sonst als so selbstverständlich galt.
Alles in allem bin ich überrascht, wie viele Rituale doch eingeschränkt/nicht mehr möglich sind in der aktuellen Zeit. Ich hoffe, das ist bald wieder anders.

(Mika Suntken)

Ein Ritual, welches während der Corona-Situation ausfällt, ist das Lakenbringen zu Geburtstagen, das wirkt sich positiv und negativ aus. Es wirkt sich zuerst negativ aus, da uns die Veranstaltung als Gruppe fehlt. Gemeint ist das Zusammenkommen und Spaß-miteinander-Haben. Auf der anderen Seite wirkt sich das aber auch positiv aus, da durch die nicht vorhandenen Veranstaltungen zu Geburtstagen der Alkoholkonsum stark reduziert wird.
Ein zweites Ritual, welches fehlt, ist das Treffen mit entfernteren Personen. Ich zum Beispiel treffe mich eigentlich jede Ferien mit meinem Freund in NRW, damit wir zusammen mit der jeweiligen Familie etwas unternehmen. Aber auch allgemein fehlen die Ausflüge in größeren Gruppen. Die Auswirkung davon ist beispielsweise Langeweile. Das Fahrradfahren in die Schule ist auch ein weiteres Ritual, um wach zu werden oder auch sich zu bewegen. Dadurch, dass das in der Corona-Zeit fehlt, ist man am Morgen länger müde und einem fehlt die regelmäßige Bewegung.

(Lars Subkus)

Während der Schulzeit stehe ich immer gegen 5:30 auf, während ich jetzt keine feste Aufstehzeit bräuchte. Das wirkt sich insofern aus, als der Tag an Struktur verliert. Ein weiteres Ritual, welches durch die momentane Situation fehlt, ist das Trainieren im Fitnessstudio, was mir immer geholfen hat, ausgeglichen zu sein. Außerdem fehlt das Ritual, in der Schule meine Freundinnen zu sehen und sie zu umarmen, was sich nun auch auf mein Alltagsleben auswirkt, da ich mich momentan nicht mehr darauf freuen kann, sie zu sehen, da es nicht geht. Ebenfalls fehlt das Ritual, dass ich jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Schule fahre. Dadurch, dass es in der derzeitigen Situation fehlt, habe ich weniger Bewegung. Ein weiteres Ritual, welches mir auf Grund der derzeitigen Situation fehlt, ist das wöchentliche Treffen mit meiner besten Freundin, was sich auf mein Alltagsleben auswirkt, da ich es vermisse, mit ihr zu lachen und Spaß zu haben und generell mit ihr Zeit zu verbringen.

Eigentlich alle fehlenden Rituale wirken sich negativ auf unser Alltagsleben aus, doch bei manchen Dingen kann man auch verhindern, dass sie sich negativ auswirken. Beispielsweise kann man, anstatt momentan auszuschlafen, sich wie sonst auch einen Wecker stellen oder man kann Workouts machen, anstatt ins Fitnessstudio zu gehen. Anstatt sich mit Freunden zu treffen, kann man telefonieren. Es ist also möglich zu verhindern, dass sich die fehlenden Rituale sehr negativ auf unser Alltagsleben auswirken.

(Carlotta Eger)

Für Personen die in der Corona-Zeit Geburtstag haben, fehlt das Ritual, ihren Geburtstag zu feiern.
Ein weiteres Ritual, welches vielen in dieser Zeit fehlt, ist das gemeinsame Training. Dies wirkt sich wiederum auf die sozialen Kontakte und auf die körperliche Verfassung aus.
Das Ritual, das wahrscheinlich allen am meisten fehlt, ist das regelmäßige Treffen mit Freunden.
Sehr vielen Menschen wird dazu noch das Ritual des Stadionbesuches fehlen, da sie dadurch weniger soziale Kontakte und nicht mehr die Gruppenzugehörigkeit haben.
Dadurch, dass keine Stadion- und Kirchenbesuche mehr möglich sind, fehlen vielen Menschen die sozialen Kontakte und die Gruppenzugehörigkeit.

(Sören Carsjens)

Hauptsächlich fehlen natürlich die Rituale, die mit der Schule, Arbeit oder den Hobbys zusammenhängen, wie das morgendliche Zur-Schule-Fahren oder Frühstücken mit der Familie, was man nun oft verpasst, da man später aufstehen kann und das auch tut. Mit den Freunden jede Pause ohne Absprache zu einem bestimmten Ort wiederzukehren oder ohne nachzudenken denselben Schulweg zu nehmen. Den Arbeitern fehlt ein Großteil ihres Lebens, da sie oft nicht mehr arbeiten gehen können und somit auf ihrem Erspartem sitzen. Ältere Personen und andere, die Risikogruppen angehören, dürfen momentan keinen Kontakt zu Angehörigen etc. pflegen, da sie eventuell Krankheiten verbreiten, welche häufig eine höhere Sterblichkeitsrate bei Risikogruppen haben als bei anderen Bürgern. Wer Sport betreibt, vermisst bestimmt das regelmäßige Wiedersehen und Zusammenkommen mit Freunden und Verein. Wenn sich die Zeit ohne Arbeit, Schule, Hobby etc. über längere Zeit streckt, dann wird es natürlich gravierende Auswirkungen haben, wie z.B. immensen Stress für Eltern, die nun ihre Kinder nicht mehr in die Krippe oder Kindergarten schicken können, sondern den ganzen Tag auf sie aufpassen müssen. Dies ist oft sehr anstrengend und häufig auch kostenintensiver für Erziehungsberechtigte. Anders als die meisten deutschen Arbeitnehmer, die momentan im Lockdown sind, gibt es systemrelevante Arbeitskräfte wie medizinisches Personal oder die Notfalldienste. Diese müssen auch in Zeiten einer Pandemie weiterarbeiten, auch wenn sich viel geändert hat, so muss die Polizei öfter Leute von öffentlichen Plätzen vertreiben als festzunehmen oder aus dem Verkehr zu ziehen. Bei medizinischem Personal hat sich vor allem der Umgang mit Patienten geändert, da sie möglicherweise infiziert sind. Die Ärzte etc. müssen sich momentan mehrlagig einkleiden und oft lange Schichten in Maske und Visier bestreiten, was deutlich fordernder und anstrengender ist, als es noch vor ein paar Monaten war.

(Erik Naumann)

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