Kammermusik in Egels

„Eine neue Tradition ist entstanden“ – mit diesen Worten begrüßte Fachobmann Christoph Otto Beyer die erfreulich zahlreichen Zuhörerinnen und Zuhörer am vergangenen Samstag im Foyer der Außenstelle Egels. Zum vierten Mal präsentierten die Cellistin Jana Siebert und ihre Klavierpartnerin Imke Branden-burg am Klavier ein vielgestaltiges Kammermusikprogramm, wobei nach der konzertanten „Einweihung“ des neuen Flügels in der Waldschule im vergangenen Jahr erneut das Foyer der Außenstelle zum Konzertsaal wurde. Die Investition hat sich gelohnt, und das Musikleben am Ulricianum ist um eine weitere Facette bereichert worden.

Zu Beginn erklang Beethovens erste Cellosonate in F-Dur. Das zweisätzige Frühwerk aus der ersten Schaffensperiode des Meisters verrät trotzdem schon viel von der mitreißenden Gestaltungskraft des Klangzauberers, im ausladenden Kopfsatz ebenso wie im beschwingten Finalrondo. Das Klavier emanzipiert sich vom bloßen Begleitinstrument zum gleichberechtigten Partner des Solisten, der streckenweise sogar die dominierende Rolle übernimmt. Das spiegelt sich folglich auch in den steigenden technischen Anforderungen des Klavierparts wider, denen sich Imke Brandenburg souverän gewachsen zeigte.

Nach der Pause folgten die ebenso bekannten „Fantasiestücke“ op. 73 von Robert Schumann, drei Charakterbilder aus seiner letzten Schaffensperiode. Ursprünglich für Klarinette komponiert, zog Schumann schon von Beginn an auch die Ausführung mit Violine oder Violoncello in Betracht. Dass diese drei „Originalbesetzungen“ gleichwertig nebeneinander stehen, stellte Jana Siebert mit ihrem teils intim verhaltenen, teils kraftvoll zupackenden Celloton eindrucksvoll unter Beweis.

Den Abschluss bildeten zwei Gruppen zeitgenössischer Kammermusik, nämlich drei Charakterstücke von Christoph Otto Beyer und zwei von Ingo Höricht. Die deutlich erkennbare Korrespondenz mit den zuvor erklungenen Werken zeigte eine durchdachte Programmauswahl: Während die Miniaturen von Beyer ähnlich der Beethoven-Sonate die traditionelle Formenwelt in eine neue Tonsprache kleiden („Das Neue im Alten, das Alte im Neuen“, wie es der Komponist ausdrückte), knüpft der umtriebige Bremer Musiker Höricht mit seinen beiden Charakterbildern eher an das formal frei gestaltete romantische Fantasiestück an. Besonders Beyers farbenfrohes „Scherzetto“, wie seine beiden anderen Stücke erst in den letzten Monaten als „Auftragskomposition“ für dieses Konzert entstanden, erweist sich durch seinen Ideenreichtum als dankbares Vortragsstück.

Am Ende des Konzerts gab es noch eine besondere Überraschung für die Zuhörerschaft: Zu Ehren ihrer anwesenden gemeinsamen Klavierlehrerin spielten Jana Siebert und Imke Brandenburg drei Stücke von Georges Bizet für Klavier zu vier Händen, eins davon als Zugabe an das begeisterte Publikum. Mit Blumen und reichlich Beifall wurden die beiden Musikerinnen und der Organisator und Komponist Christoph Otto Beyer für den gelungenen Konzertnachmittag belohnt. Eine Fortsetzung dieser noch jungen Tradition am Ulricianum wäre sehr zu wünschen.                                                                Dieter Weiß

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